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Gedankenspiele zur Zukunft

Kunsthalle Kiel: Ausstellung „playing future“ Gedankenspiele zur Zukunft

Eine rote LED-Anzeige im Goldgehäuse zeigt sie unmissverständlich an, die verbleibende Lebenszeit des Künstlers Nasan Tur. Welche Bilder begleiten uns von der Zukunft jenseits konkreter Vorhersagen und Handlungsoptionen? Diese und andere Fragen untersucht die neue Ausstellung unter dem Titel „playing future“ in der Kieler Kunsthalle.

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Zwischen Erde und fernen Galaxien: In der Kieler Kunsthalle lässt sich spielerisch in die Zukunft schauen. Kuratorin Natascha Driever hat sich mitten hineingestellt in die Vision des Street-Art-Künstlers Gregor Wosik, der einen Beamer ins Zentrum seiner spacigen 3-D-Malerei stellt. Die Ausstellung, die am Sonntag, 26. April, um 15 Uhr mit einem großen Eröffnungsfest startet, versammelt 13 internationale künstlerische Positionen, die sich in unterschiedlich griffigen Gedankenspielen dem Thema ste

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Nasan Tur, iranisch-stämmiger Künstler aus Offenbach, hat sich seinen Todeszeitpunkt anhand statistischer Daten und epidemiologischer Studien prognostizieren lassen. Irgendwie brutal dieser Countdown im Sekundentakt, mit dem die Ausstellung den Besucher in der Kunsthalle auf diese Reise in die Zukunft einstimmt. Aber keine Angst, solche Endgültigkeit ist nur eine Sichtweise auf das Thema, das Anette Hüsch, Natascha Driever und Veronika Deinzel als Kuratorenteam fokussieren. „Wir wollen jenseits von Klischees und Stereotypen auch philosophische und politische Fragen aufwerfen“, sagt Anette Hüsch. Aber, der Titel zeigt es, im spielerischen Sinne. Denn Kunst sei das Spielfeld, in dem ungezwungen und frei gedacht werden könne, ergänzt die Kunsthallendirektorin.

 Auf den ersten Blick wirkt die Ausstellung allerdings eher kühl und konzeptuell als spielerisch. Sprechen wir also lieber von Gedankenspielen, die in 13 künstlerischen Positionen völlig unterschiedliche, dabei in der Nahsicht aber ungemein vielschichtige Sichtweisen auf das Thema ermöglichen.

 Mit Gregor Wosik und Pierre Delavie sind zwei darunter, die Zukunft so schildern, wie sie aus Science-Fiction-Klassikern vertraut ist. In Wosiks 3D-Malerei an Wand und Boden darf der Betrachter im Beamer wie an Bord der „Enterprise“ zur Entmaterialisierung schreiten. Pierre Delavie, der in seiner französischen Heimat historische Gebäude verwandelt hat, lässt draußen auf der Sandstein-Fassade des Museums Raumtaxis zwischen Schluchten von Wolkenkratzern sausen wie einst Luc Besson in seinem Filmklassiker Das fünfte Element.

 Einer, der sich mit den Ressourcen beschäftigt, von der unsere digitale und technologische Existenz auch zukünftig abhängen wird, ist der 29-jährige Schweizer Künstler Julian Charrière. In der Kunsthalle sitzt der 29-jährige Schweizer in seiner Installation, die wirkt wie eine aus der Zeit gefallene archäologische Stätte. Ungemein ästhetisch mutet die lichte Ansammlung aus Säulen, den weißen dreieckigen Emaillebecken und Bodenplatten an. Das Rohmaterial stammt aus der Salar Uyuni, der größten Salzpfanne der Erde in Bolivien, wo Lithium für den Weltmarkt gewonnen wird. Charrières Architektur aus Salzplatten und flüssiger Sole, die in Farbnuancen zwischen grünen und gelben Pastelltönen changiert, erinnert von fern an die einst visionäre Bauhausmoderne. Unsere Zukunftsfähigkeit wiederum hängt entscheidend von diesem chemischen Element ab, das für Akkus von Smartphones ebenso gebraucht wird wie für die Batterien, die die Möglichkeiten der Elektromobilität noch limitiert. Einer der spielt, ist der Kölner Künstler Björn Schülke, der im ersten Ausstellungsraum seine Spider Drone an der Wand hoch über den Köpfen installiert hat. Eine handliche, glänzend graue Apparatur, deren winziges Kameraauge an einem Teleskoparm mit zwei Spiegelchen hängt. Flugs erscheint der Betrachter auf dem spielkartengroßen Display. Seltsam oldschool mutet das Ding an und Schülke, der sich als Bildhauer versteht, findet sie „irgendwie süß“. Aber Attrappe hin oder her, der Besucher, der da ins Visier genommen wird, fragt sich prompt, wo seine Bilder landen und warum der kleine graue Spion ruht, dann plötzlich aus seinem Dämmerschlaf erwacht und wieder ganz possierlich seiner Überwachungsaufgabe nachgeht.

 Nicht alle Beiträge der Ausstellung umkreisen das Thema so buchstäblich zielgerichtet wie Schülke. Aber jeder Beitrag lohnt den Einstieg in die Hintergründe, der sich nicht in allen Arbeiten so anschaulich erschließt wie oben auf der Galerie, wo Tabor Robak oder Max Sudhues ihre Zukunft farbig „ausmalen“. „Bis Du wirklich hier?“, lautet am Ende des Ausstellungsparcours die skeptische Frage im Spiegel des dänischen Künstlers Jeppe Hein. Oder dort, entgegnet nebenan Navid Nuur. Wer weiß schon, wie das wird?

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