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Kunststrom in jeder Minute

Projekt „Performance Electrics“ in der Stadtgalerie Kunststrom in jeder Minute

Pablo Wendel ist Bildhauer und gleichzeitig Geschäftsführer von Performance Electrics. Wie das zusammengeht, erklärt er in Kiel.

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Auch der an einer Kirchturmuhr installierte Dynamo liefert Strom, den die findigen Kunststromanbieter in ihr Netz einspeisen.

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Kiel. Pablo Wendel ist Bildhauer und gleichzeitig CEO von Performance Electrics. Was seine Profession als Geschäftsführer eines Stromanbieters mit seinem Künstlerberuf zu tun hat, erläutert der Stuttgarter am kommenden Donnerstag, 14.

Januar, ab 19 Uhr in der Stadtgalerie Kiel. Als Gast der Muthesius-Vortragsreihe Blow up, die sich mit Kunst im öffentlichen Raum befasst, wird Wendel ein Projekt vorstellen, das sich zum Ziel gesetzt hat, mit Kunstaktionen Strom zu erzeugen, und dabei auch ironisch Grenzen überschreitet.

 Seinen Kunden verspricht Wendel Kunst aus der Steckdose. „Jeder, der Kunststrom verbraucht, fördert über seine Nebenkosten Kunst“, sagt er, denn man reinvestiere zu 100 Prozent in die Förderung kreativer Energie, also in neue Aktionen und Projekte, die dann wiederum Kunststrom erzeugten. „Ihr Draht zur Kunst“ lautet folgerichtig der Slogan auf der Website, auf der potenzielle Neukunden ein „individuelles Angebot“ anfordern können.

 Wie die Kunststromgewinnung praktisch funktioniert? Wendel nennt als ein Beispiel das Stichwort Varta-Bande, eine Gruppe von Aktivisten, die mit Akku-Rucksäcken in der Stadt ausschwärme, um Strom im öffentlichen Raum einzusammeln, der anschließend als Kunststrom wieder eingespeist wird. Ist das mehr als eine Umetikettierung? Ja, so wird argumentiert, es gehe um eine Verknüpfung der sonst einander fremder Sphären Kunst und Energie.

 Andere Aktionen generieren ihren Strom unmittelbar, sozusagen aus eigenem Antrieb. Der Künstler Daniel Beerstecher zum Beispiel initiierte das Land Sailor Project: Mit einem zum Landsegler umgebauten Boot durchquerte er Argentinien vom Süden Patagoniens bis nach Buenos Aires. Performance Electrics stattete das Boot mit einem Kunststrom-Dynamo aus, der die Bewegungsenergie während der Fahrt in Kunststrom umwandelte und in einer Batterie speicherte.

 Und auch die Zeit hilft Minute für Minute bei der Kunststromgewinnung: Für die Installation twentyfour/seven wurde ein Dynamo an einer Kirchturmuhr installiert, der die Bewegungsenergie des Zeigers in Kunststrom umwandelte. Pablo Wendel wird am Donnerstag noch weitere solcher Projekte vorstellen und auch über seine Zentrale für Forschung und Entwicklung Auskunft geben, die im Stuttgarter Kultur- und Veranstaltungszentrum Wagenhallen ihren Sitz hat.

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