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Demonstration im Fanshop

Kurt Fleckenstein im Kieler Kunstraum B Demonstration im Fanshop

Zwölf türkische Flaggen, als Banner aufgestellt wie bei einer Demonstration, wehen im Kunstraum B. Der hat während der Ausstellung von Kurt Fleckenstein sein äußeres Erscheinungsbild als Galerie gegen die rote Aufschrift „Fanshop“ eingetauscht, die auf den Schaufenstern prangt. „Erdogan-Fanshop“ nennt der Künstler aus Mannheim seine politisch brisante Installation, die auf dem Fußboden im Innern durch weiße Schriftzüge ergänzt wird – Namen von Verfolgten des Erdogan-Regimes.

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Kurt Fleckenstein zeigt auf seine Art Flagge im Kunstraum B.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. „Eigentlich sollte ,Erdogan Fanshop’ auf den Fenstern stehen“, sagt Fleckenstein, „aber die Kuratorinnen hatten Bedenken, dass ihnen die Scheiben eingeworfen werden könnten.“ Mit dem flatternden, von einem riesigen Ventilator in Wallung gebrachten Fahnenmeer, das auch seinen hoch angesetzten ästhetischen Ansprüchen genügt, will der Objekt- und Installationskünstler Besucher wie Passanten irritieren – und provozieren. „Nicht um der Provokation willen, sondern wegen der Aussage.“ Seit seinem 50. Lebensjahr widmet sich der promovierte Volkswissenschaftler, der mit Einzelausstellungen unter anderem in Polen, Russland und Italien zu Gast war, ausschließlich der Kunst. Dabei arbeitet er vornehmlich mit Industrieprodukten, deren Bedeutung er durch veränderte Kontexte verändert. „In diesem Fall wird die Bedeutung der Flaggen, die eigentlich nationalistisches Gedankengut unterstützen, durch die Namen der vom Regime Verfolgten ins Gegenteil verkehrt.“

 Welch hohes Gut in der Einhaltung demokratischer Grundrechte liegt, ist Kurt Fleckenstein sehr bewusst. Bei den Vorbereitungen einer Ausstellung in einem modernen Museumsbau in Istanbul erfuhr er, wie sich Einschränkungen anfühlen. „Ich wollte Bilder von Häusern eines historischen Stadtteils, der zugunsten von Neubauten abgerissen werden sollte, auf die moderne Fassade des Museums projizieren. Ich hatte die Häuser kurz zuvor beim Schlendern durch die Stadt gesehen. Die Kuratorin war sofort einverstanden doch die Umsetzung wurde verboten.“

 Wie damals in Istanbul entstehen die Ideen für Kurt Fleckensteins Installationen meist spontan. Oft haben sie einen politischen Hintergrund und immer stehen sie im direkten Zusammenhang zu dem Ort, an dem sie gezeigt werden. Folgerichtig präsentiert er sie in der Regel auch nur einmal. Im Falle des Kunstraums B brachte ihn die Ladensituation der Galerie mit dem türkischen Imbiss um die Ecke auf die Fanshop-Idee. „Das war vor vier Monaten als in Köln die großen Pro-Erdogan-Demonstrationen stattfanden. Ich hatte noch die Bilder der wehenden Flaggen im Kopf und sah sie sofort vor mir“, so der 67-Jährige. Auf die Reaktionen des Kieler Publikums ist er schon „sehr gespannt“.

  Kunstraum B , Wilhelminenstraße 35. Eröffnung heute, Mittwoch, 19 Uhr. Bis 26. November. Do-Sa 15-18 Uhr

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