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Still ruht er nicht, der See

Lake in Bordesholm Still ruht er nicht, der See

„Mein Gott, ist mir warm!“, ruft Jens Skwirblies nach einem exzessiven Solo, das er zum Finale des dynamischen Rocksongs On The Run seiner Hammond-Orgel im Bordesholmer Savoy Kino geradezu entrungen hat. Schon seit Jahren spielt die Hamburger Rockband Lake hier am 29. Dezember.

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Zwei der Gründungsmitglieder von Lake in Aktion: Sänger Ian Cussick (links) und Gitarrist Alex Conti.

Quelle: Manuel Weber

Bordesholm. Schade, dass der Sound so mäßig ist. Am Anfang ist er sogar kaum zu ertragen. Übersteuert, blechern, grell in den Höhen, kaum Mitten, die Bässe viel zu schwachbrüstig. Das besserte sich zwar zum Glück schon bald, war aber einer Band wie Lake, die seit jeher so viel Wert auf ein transparentes, ausgewogenes Klangbild legt und so Vergleiche mit Klangästheten wie Steely Dan provoziert hat, nicht würdig. Ganz zu schweigen von den technischen Fähigkeiten der Musiker.

Da sticht natürlich Alex Conti hervor. Der 63-jährige Rock-Gitarrist, der mit 17 Profimusiker wurde, muss keinem mehr etwas beweisen. Seine Akkorde und Licks sitzen maßgeschneidert, Conti spielt mit einer Fingerfertigkeit und dennoch Lässigkeit und Selbstverständlichkeit, die staunen lässt. Er soliert im Wechsel mit dem Eckernförder Skwirblies um die Wette. Vor allem in den ausgiebigen, massiv groovenden Jam-Passagen, die sich die Band in etlichen der Songs gönnt – sie lassen das Herz aufgehen und machen einfach Spaß.

Nur die Routine stört ein wenig

So gerät der eigentliche Frontmann fast zur Nebenfigur. Fast, denn Ian Cussick, der schon 1973 bei der Gründung von Lake den Gesangspart übernommen hatte, ist mit seinen 61 Jahren noch immer bestens bei Stimme. Singt er nicht, schüttelt er das Tamburin, bei den Soli seiner Kollegen zieht er sich oft bescheiden in den Bühnenhintergrund zurück. Etwas störend ist allenfalls die Routine, die Cussick ausstrahlt. Shouts wie „Here we go!“ oder Juchzer entfahren ihm nicht spontan, sondern werden an geeigneter Stelle platziert.

Unterfüttert von der absolut stabilen Rhythm-Section Mickie Stickdorn (Schlagzeug) und Holger Trull (Bass) entwickeln Lake mal heftigeren Wellengang wie im Eifersuchts-Song Dancing With Steve, lassen die Wogen geschmeidiger rollen wie in Glad To Be Here oder sanft plätschern wie im Lake-Klassiker Jesus Came Down, den Conti im Konzert dem 1991 an einer Überdosis Heroin gestorbenen James Hopkins-Harrison, von 1974 bis 1988 Leadsänger von Lake, widmet.

Bis zum nächsten Jahr!

Neuere Stücke wie Wings Of Freedom, Stone Crazy oder Ted Nugent And The Gunner’s Blues erreichen zwar nicht ganz die Klasse der älteren Nummern, aber halten doch überraschend gut mit und fügen sich bruchlos ein ins Set. Auch die beiden Steely-Dan-Cover Black Friday und Reelin In The Years stehen den Originalen kaum nach. Beim zugegebenen, arg schleppenden Life Is A Highway (Tom Cochrane) allerdings hätte man anfangs am liebsten schieben geholfen – erst gegen Ende schalteten Lake wenigstens einen Gang höher, blieben aber dennoch einiges von der ursprünglichen Dynamik des rockigen Originals schuldig.

Nur Haare in der schmackhaften Suppe. Lake bekommen am Schluss stehende Ovationen für ein klasse Konzert. Bis zum nächsten Jahr!

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Lake in Eckernförde
Foto: Der Eckernförder Jens Skwirblies gibt alles, wenn er auf der Bühne steht. Mit Lake gastiert er am 30. Dezember im Showpalast auf der Carlshöhe.

Für den Eckernförder Profimusiker Jens Skwirblies wird es – wie schon in den Vorjahren – am Mittwoch, 30. Dezember, wieder ein Heimspiel geben. Als Mitglied der renommierten und legendären Rockgruppe Lake gastiert er mit seinen Bandkollegen ab 20.30 Uhr im Showpalast auf der Carlshöhe.

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