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Parodie oder Kitsch pur?

"Land des Lächelns" in Flensburg Parodie oder Kitsch pur?

Franz Lehárs lyrische Operette “Das Land des Lächelns” mit ihrem desillu­sionier­ten Entsagungsfinale spiegelt bei all ihrer Melodienseligkeit schmerzhafte Ein­sich­ten ihres Uraufführungsjahres 1929 wider. Jetzt ist sie am Theater Flensburg zu erleben.

 Von Detlef Bielefeld

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"Das Land des Lächelns" am Theater Flensburg, hier mit Anna Schoeck und Junghwan Choi.

Quelle: Zauner

Flensburg. Die Welt­wirt­schaftskrise machte damals den tollen 20er Jahren ein Ende, die Exotik einstiger Kolonialromantik entpuppte sich als Unvereinbarkeit sich letztlich fremd bleibender Kulturen. In der aktuellen Neuproduktion am Flensburger Theater verzichtete Regisseur und Hausherr Peter Grisebach auf denkbare Aktualisierungen, verwies schmerzliche interkulturelle Mißverständnisse an die etwas zähen Sprechdialoge und vertraute ganz auf den Zauber Lehár’scher Melodieseligkeit. Der kam vor allem aus dem Orchestergraben, wo Gastdirigent Mark Rohde den Landessinfonikern einen er­freu­lich gerundeten Tuttiklang entlockte, reizvoll und präzise garniert mit pentato­nischen Arabesken und schmelzendem Streicherglanz. Im praktikablen Bühnenambiente (Sibylle Meyer) zwischen Wiener Decadence mit asiatischer Anmutung und bedrohlicher China-Archaik begegnen sich die beiden west-öst­lichen Liebespaare, denen Meister Lehár einen ununterbrochenen Reigen welt­be­kann­ter “Hits” in die Kehle geschrieben hatte.

Die Tenöre Junghwan Choi als exotischer Prinz Sou-Chong (mit dynamischen Irritationen) und Christian Bauer als Charmebolzen Poldi schlugen sich dabei achtbar und publi­kums­wirksam,  während Kai-Moritz von Blankenburg sich diesmal in wichtigen Sprechrollen (Brautvater/Oheim Tschang) profilieren konnte. Brigitte Bayer hingegen punktete als agile, aufmüpfige Prinzessin Mi mit unaufdringlichem Spielwitz und blitzsauberer Stimmführung, während Anna Schoeck der tragischen Comtesse Lisa all das zu geben verstand, was Franz Lehár von seinen Heroinen verlangt: geschmeidigen Sopranglanz, sichere Spitzentöne, sorgfältige Artikulation sowie weibliches Sentiment und Pathos. Der präsente Chor durfte sich anfangs als degeneriert-alberne Wiener High-Society im Exotik-Fieber tummeln, um später im finsteren China als bedrohliche Hausmacht des “ancien regime” zu agieren.

Eine grundsolide Produktion ohne Verfremdungen, wenn da nicht das Liebesduett-Finale des 1.Aktes als (unfreiwillige ?) Parodie daherge­kom­men wäre: “Kitsch-as-Kitsch-can” zum Apfelblüten-Motiv vor wildromantischem Abend­son­nen­schein – ach, wie schön…… 

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