15 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Handgeschriebene Lebensbilder

Ausstellung Theodor Storm Handgeschriebene Lebensbilder

Zum 200. Geburtstag Theodor Storms beleuchtet die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek in Kiel Leben und Werk des Dichters. Und kann dabei auf den reichhaltigen eigenen Bestand aus Storms erstem Nachlass zurückgreifen.

Voriger Artikel
Ideologien entlarven am Landestheater
Nächster Artikel
Spaß am schnellen Schlagabtausch

Landesbibliotheksdirektor Jens Ahlers und Maike Manske, Leiterin der Handschriftenabteilung geben Einblick in Otto Beckmanns Illustrationen zum "Schimmelreiter".

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. „Um Punkt 11 Uhr“, schreibt Theodor Storm am 9. Februar 1888, ein halbes Jahr vor seinem Tod, habe er das Manuskript des Schimmelreiters vollendet – „von letzter Hand“, als Druckvorlage für den Verleger in säuberlich fliegender Handschrift – ganz anders als die frühen Entwürfe, in denen sich der Text in engen Zeilen voller Streichungen kreuz und quer über die Seiten zieht. Das Manuskript von letzter Hand gehört zum Kern des Storm-Nachlasses der Landesbibliothek in Kiel, und es ist zu sehen in der Ausstellung, die sie zum 200. Geburtstag des Husumer Dichters am 14. September eingerichtet hat. „Storm ist für uns Pflicht“, sind sich Landesbibliotheksdirektor Jens Ahlers und Maike Manske als Leiterin der Handschriftenabteilung einig. Schließlich lagert in Kiel seit den Sechzigerjahren der erste große Nachlass Theodor Storms, der die umfangreiche Korrespondenz des Husumer Dichters ebenso beinhaltet wie Manuskripte zu Gedichten und Novellen, Dokumente und Fotos von Familie und Dichterfreunden.

So konnten Ahlers und Manske für die Ausstellung hauptsächlich auf die eigenen Bestände zurückgreifen, ergänzt durch Leihgaben aus Landesarchiv und Nordseemuseum, das unter anderem die ausdrucksstarken Radierungen beisteuerte, die Otto Beckmann 1997 für die Schimmelreiter-Ausgabe im Handpresse-Verlag Die Quetsche fertigte. Eine eindrucksvolle Reise durch die Lebensstationen Theodor Storms (1817-1888) entstanden. Wie ihn nach der Kindheit im ländlichen Husum die große Stadt Lübeck beeindruckte, wo er 1835 aufs Katharineum ging, beschreibt Storm 1878 im Rückblick in seiner Tischrede zum 70. Geburtstag: „Hier war höhere Luft, bedeutendere Menschen ...“ Und mit "Der Bau der Marienkirche zu Lübeck", geschrieben für die Eltern zu Weihnachten 1836, legte er ein Heft handgeschriebener erster Gedichte vor, das in der Landesbibliothek zu sehen ist.

In Kiel, wohin er dann zum Jura-Studium an die Uni wechselte, traf er die Mommsen-Brüder Theodor und Tycho kennenlernte, später im preußischen Exil in Potsdam die Schriftstellerkollegen Theodor Fontane, Emanuel Geibel und Paul Heyse. „Wir lassen die Quellen für sich sprechen“, so Maike Manske. Und so werden in Bild, O-Ton und dem Werk Storms, der im Schreiben immer auch das eigene (Er)Leben spiegelte, Marksteine und Umbrüche lebendig.

S-H Landesbibliothek, Wall 47-51, Kiel. Bis 17. Dezember, Di-Fr, So 11-17 Uhr. Vortrag Malte Denkert („Theodor Storm und das Tabu“): Fr., 15. Sept., 19 Uhr. www.shlb.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3