16 ° / 11 ° stark bewölkt

Navigation:
Die Balance im Groove

Landesjugendjazzorchester Die Balance im Groove

„Erst ,Ruck-Sack’, dann ,Tisch-Decke’“: Beide Grooves probte das Landesjugendjazzorchester (LJJO) am vergangenen Wochenende im Nordkolleg für seine School Tour, bei der es mit örtlichen Schul-Bigbands erst workshopt und dann konzertiert.

Voriger Artikel
Das Märchen ist der Star
Nächster Artikel
Mittelmäßige Quote für den Kieler Tatort

Feinarbeit in der Rhythmusgruppe (v.l.): Ilja Ruf (p.) Lukas Kemmler (g.) Vincent Nissen (b.) und Lasse Weinbrandt (dr.) mit Dozent Detlev Beier

Quelle: Björn Schaller

Rendsburg. Den Groove macht aus, mal bewusst zu „stolpern“, mal „straight ahead“ dem Takt voraus zu eilen wie in Sammy Nesticos A Warm Breeze. Dozent Sven Kagelmann verhandelt das mit den Saxofonen: Wo liegen die Gewichte im Offbeat, welche Note stößt man mit „der sprechenden Zunge als Ventil“ an, wo muss der Atem weit über die Phrase reichen? Und wie kommen die Viertel selbst in den Triolen „gefühlt auf den Punkt“? Gerade, wenn es „so quer durch den Garten“ geht wie im neuesten Programm, das nach Hommagen an den „Count“ (Basie) und den „Duke“ (Ellington) diesmal das erweiterte Motto That’s Jazz hat.

 Zwischen „Ruck-Sack“ und „Tisch-Decke“ wechselt auch die Rhythmusgruppe, die Detlev Beier anleitet. „Wie ein Boxer am Punching-Ball“ hätte er Piano, Gitarre, Bass und Drums gern. Jeder Schlag muss sitzen, federndes Tänzeln inbegriffen. „Jede Note ist wichtig, keine zu viel, davon lebt der Groove!“ Aber dabei muss man cool bleiben, „so trocken wie möglich“ voran marschieren. Und „ans Sprungbrett denken“, denn „der Laden“ wird in den Breaks eben nicht „zugemacht, sondern erst eröffnet“.

 Die Posaunisten, solche Groove-Grammatik ahnend, schlagen ihrem Dozenten Sebastian Hoffmann vor, ihre Viertel „etwas anzusliden“. Hoffmann überlegt, meint dann aber – vielleicht genau dasselbe, nur anders in Worte gefasst: „Okay, doch nicht zu doll, eher so mit nachbohrendem Zeigefinger.“

 Derweil proben die Trompeten die Akkorde in „slow motion“. Sie sollen gern farbig oder auch schräg klingen, findet Dozent Sven Klamm. Selbst solche Chromatik braucht unbedingte Präzision – und Lautstärkesteuerung. Dass Köhler den Trompeten manche Stelle einfach gestrichen hat, muss er begründen: „Wenn ihr da volles Rohr gebt“, sagt er, haben die Saxofone keine Chance mehr.“ Müssen sie aber, damit es groovt. So bescheidet sich das glitzernde Bläsergold. Denn, das lernt man hier: Bigband-Sound lebt vor allem von der Balance im Groove – zwischen „Ruck-Sack“ und „Tisch-Decke“.

 Konzerte (jeweils 19 Uhr): Di, 1. 12., Eckernförde, Jungmannschule (mit Brass Report); Mi, 2. 12., Gymnasium Lütjenburg (mit dessen Bigband); Do, 3. 12., Jugendhof Scheersberg (mit der Big Bernstorff Band des Gymnasiums Satrup).

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3