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Die Baustellen der Landesmuseen

Großes Programm für 2016 Die Baustellen der Landesmuseen

Dass der leitende Direktor verschnupft vor die Presse trat, als es um Bilanz und Ausblick der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen ging, ist einzig und allein Claus von Carnap-Bornheims Gesundheitszustand zuzuschreiben. Die Stimmung ist „vergnügt und fröhlich“.

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Neue, modellhafte Wege in der Vermittlungsarbeit: Animierter Blick ins Eisenkunstgussmuseum Büdelsdorf.

Quelle: hfr

Schleswig. Angesichts guter Besucherzahlen, einer soliden Finanzlage und manch vielversprechender Perspektive für das neue Jahr ist das nachvollziehbar. Denn neben interessanten Ausstellungsprojekten werden zahlreiche Baustellen abgearbeitet.

 So steht nach fast vier Jahren am 1. Juli 2016 die Wiedereröffnung des sanierten Eisenkunstgussmuseums Büdelsdorf an. Andere Projekte sind auf den Weg gebracht: Der Grundstein für den Neubau im Zentralmagazin auf dem Hesterberg ist gelegt, die Planungen für das neue Eingangs- und Ausstellungsgebäude im Landesmuseum für Volkskunde in Molfsee laufen – der erste Spatenstich ist für Anfang 2017 geplant. 2017 muss das beliebte Wikingermuseum Haithabu wegen Pilzbefalls geschlossen und umfassend saniert, deshalb das Freigelände aufgewertet werden. Parallel wird weiter am Masterplan für die Schlossinsel gefeilt, wird inventarisiert und digitalisiert – es geht um Zukunftsfähigkeit.

 Ein zentrales Anliegen, das Streben nach neuen Vermittlungsformen, fließt zuvor schon in andere Projekte ein: Konkret in Molfsee, wo im April ein Medienguide eingeführt werden soll, so wie er sich am Globushaus auf Gottorf bereits bewährt hat: Als App produziert, soll sich der elektronische Führer als Basis für einen individuell geführten Rundgang durch die Freilichtanlage insbesondere an Familien richten. Der „Featureguide“ mit Bild-, Film- und Hörerlebnissen soll zum einen als Download für eigene Endgeräte angeboten werden, zum anderen ist auch die Ausgabe museumseigener Tablets geplant. Für Molfsee erhofft man sich durch die neue Initiative, Landesgeschichte mit Leben zu erfüllen, einen Anstieg der schon 2015 stabilisierten Besucherzahlen. Ein ähnliches Projekt ist auch für das Jüdische Museum in Rendsburg vorgesehen, das trotz inhaltlicher Modernisierung unter leichten Besucherrückgängen zu leiden hat.

 In Molfsee steht im neuen Jahr außerdem eine neue Dauerausstellung „Leben am Wasser“ im 1998 hierher umgesiedelten Hallighaus von Langeneß an. Sie basiert auf Fotos aus den 30er Jahren, die das Alltagsleben auf den Halligen dokumentieren. Außerdem soll im Sommer die historische Meierei Voldewraa nach 1,5 Millionen Euro teurer Sanierung wiedereröffnet werden – die älteste genossenschaftlich betriebene Meierei des Landes. Die Dauerausstellung „Von Schleudermilch und Lederkäse“ wurde dafür neu konzipiert. Molfsee, so betonte von Carnap, werde das bundesweit einzige Freilichtmuseum sein, das über eine Meierei verfügt, „mit deren Hilfe die wichtige agrar-, wirtschafts- und ernährungsgeschichtliche Zäsur niedrigschwellig und nicht zuletzt mit kulinarischem Genuss präsentiert werden kann“.

 Einzigartig ist auch das Eisenkunstgussmuseum (EKGM) Büdelsdorf, das seit 2012 für 2,8 Millionen Euro umfassend modernisiert und nun am 1. Juli 2016 wiedereröffnet wird. Das EKGM geht auf die Sammlung der Büdelsdorfer Unternehmerin Käte Ahlmann (1890-1963) zurück und ist am historischen Standort der Ahlmann Carlshütte eng mit der industriellen Geschichte Schleswig-Holsteins verknüpft. Das EKGM, seit 2010 Teil der Stiftung Landesmuseen, veranschaulicht auf rund 500 qm Fläche die Entwicklung des Eisenkunstgusses vom späten 15. bis zum 20. Jahrhundert. Galt das Museum bislang als typisches „Spartenhaus“, sollen künfitg durch umfangreichen Medieneinsatz und interaktive Erlebnisstationen nicht nur alle Sinne, sondern auch neue Zielgruppen angesprochen werden. Der Stiftungsvorstand, der die Neukonzeption als wegweisend auch für andere Häuser sieht, setzt zudem auf Synergien – mit der Nordart gleich nebenan, aber auch mit dem Jüdischen Museum in Rendsburg.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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Kommentar

Ja, es stimmt: Es fehlt der Magnet, der im Sommer 2016 auf die Gottorfer Schlossinsel zieht, der Touristen neugierig macht und auch über die Landesgrenzen hinaus strahlt. Die Harald Duwe-Retrospektive kann das, so vielversprechend sie auch im regionalen Fokus ist, gar nicht sein.

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