7 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Gefäße und Geschichten

Cismar Gefäße und Geschichten

Gewohnheiten sind manchmal dazu da, gebrochen zu werden. Und so präsentiert die Stiftung Schleswig-Holsteinischer Landesmuseen in der Dependance im Kloster Cismar anstelle einer Frühlings- und einer Sommerausstellung in diesem Jahr erstmals eine große Doppelschau, die bis in den Herbst hineinreicht.

Voriger Artikel
"Der scharlachrote Buchstabe" als Oper
Nächster Artikel
Deichtorhallen zeigen Werkschau der Fotografen Ute und Werner Mahler

Der in Gelting lebende Künstler Klaus Fußmann hat die Keramik als neuen Malgrund entdeckt.

Quelle: Marco Ehrhardt

Cismar. Kirsten Baumann, die als Direktorin des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte ihre erste Saison in Cismar erlebt, sieht die Sache pragmatisch: „Diese Lösung hat unter anderem den Vorteil, dass es keine Pause gibt. Das Haus ist durchgehend bis Oktober geöffnet.“ Ein Argument, das angesichts der in den Ostseebädern besucherstarken Frühlings- und Sommermonate überzeugt.

Mit Manfred Besser und Klaus Fußmann teilen sich zwei Künstler die großzügigen Räumlichkeiten, die beide in der Großstadt und auf dem Lande leben. Ihre Arbeiten haben auf den ersten Blick indes wenig gemeinsam: Bessers abstrakter, flächiger Malerei stehen schlicht geformte Keramiken gegenüber, die Fußmann bemalt hat. „Beide Ausstellungen verbindet die Dynamik und Kraft der Farbe“, so Baumann. Und damit hat sie zweifellos Recht. Leuchtendes Rot, Blau und Grün trifft auf harte Schwarzweiß-Kontraste in den wuchtigen Bildern des Hamburgers Manfred Besser. Er selbst bezeichnet sie hinsichtlich ihrer Expressivität und Farbigkeit als „Power-Bilder, die für sich sprechen“. Für Cismar hat Kurator Thomas Gädeke einen Querschnitt aus den letzten 25 Schaffensjahren ausgewählt, beginnend mit skizzenhaften Eindrücken von Fischmarkt und Speicherstadt über feine, detailverliebte Bleistiftzeichnungen bis hin zu krachend bunten, flächigen (Stadt-)Landschaften, in denen grafische Kürzel spannende Akzente setzen. Der Hamburger Hafen, den er als Arbeiter beim Löschen von Schiffsladungen intensiv kennenlernte, ist eine wichtige Inspirationsquelle des 69-Jährigen, der 1965 bis 1968 an der HfBK studierte. Dabei malt er keine realen Situationen sondern bedient sich eines „großen Baukastens aus Versatzstücken“, die er auf immer neue Weise kombiniert. Ein weiterer Themenschwerpunkt sind seine Nachtbilder , die einen eigenen Raum füllen. Als kreisrunder Lichtpunkt schwebt der Mond über den düsteren Landschaften, die ohne das leuchtende Gestirn als komplett abstrakte und dennoch ungeheuer atmosphärische Kompositionen durchgehen würden.

Klaus Fußmann, seit 1987 regelmäßig mit Bildern und Grafiken auf Schloss Gottorf und Cismar vertreten, hat erstmals bemalte Keramik mitgebracht. Insgesamt zehn Vitrinen füllen die schlichten bauchigen Schalen, Vasen und Teller, geformt von der Berliner Keramikerin Helga Schmelzle nach Vorgaben des Künstlers. „Hinsichtlich der Form hatte ich keinen besonderen Ehrgeiz“, so der 75-Jährige, der seit Winter 2007 mit Schmelzle zusammenarbeitet. So unkompliziert „klassisch“ die Gefäßformen, so knifflig ist der Malvorgang: „Es ist fast so, als würde man im Dunkeln malen“, erzählt Fußmann. „Man muss sehr schnell arbeiten, weil man sonst vergisst, was man gemacht hat. Rotes wird später blau, die eigentlichen Farben entstehen erst beim Brennen.“ Was 2007 mit einfachen, archaischen Mustern begann, hat sich in eine prallbunte, aufregende Bildwelt aus Blumen, Figuren und Tieren entwickelt – Motive, die man von Fußmanns Gemälden und Grafiken kennt. „Bei Vasen und Gefäßen geht es im wahrsten Sinne des Wortes rund. Da kann man ganze Geschichten erzählen“, schildert der Künstler seine Erfahrungen mit dem ungewohnten Malgrund. „Bei Tellern muss man hingegen aufpassen, dass man nicht banal wird. Da kann man schnell furchtbar scheitern.“ Die Auswahl zeigt, dass er gut aufgepasst hat.

Voriger Artikel
Nächster Artikel