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Rock’n’Roll mit Beuteltier

Landestheater Rock’n’Roll mit Beuteltier

"Die Känguru-Chroniken" heißt die neueste Produktion des Landestheaters – und sie ist purer Rock’n’Roll. Nicht nur, weil das Stück – inhaltlich stets berechtigt – akustisch einiges zu bieten hat.

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Die vergnügliche Kiste mit dem Känguru: Manja Haueis (Känguru, li.), Lorenz Baumgarten (Kleinkünstler) und Timon Schleheck auf der Bühne der Rendsburger Kammerspiele.

Quelle: Landestheater

Rendsburg. Musik von Nirvana ("Smells Like Teen Spirit" etc.) über die von Sven Kerschek komponierten und von den Schauspielern live präsentierten Songs ("Es gibt so viele Wege, unglücklich zu sein") bis zu ganz großem Kino ("Vom Winde verweht"), ist alles dabei, was Spaß macht. Die Inszenierung Sebastian Schachtschneiders atmet aber auch den subversiven Witz, die wohltuend anarchischen Sticheleien und die Ironie der Vorlage von Autor Marc-Uwe Kling aus jeder Pore. Und da liegt womöglich das Geheimnis des vom Publikum in den Kammerspielen Rendsburg überschwänglich gefeierten Premierenerfolgs.

Na ja, was will man auch machen, wenn man als Kleinkünstler ein Beuteltier vor der Tür stehen hat, das nach Eiern fragt, weil es sich einen Eierpfannkuchen machen möchte. Doch damit ist die Sache längst nicht erledigt. Dem Känguru fehlen noch Salz, Milch, Mehl, Öl und eine Pfanne, also im Prinzip alles für sein kulinarisches Vorhaben.

Letztlich gibt sich Kling dem Tier gegenüber einen menschlichen Ruck und bildet mit dem namenlosen Bittsteller eine Wohngemeinschaft. Die bringt Ausstatterin Lucia Becker als überdimensionale Wohnlandschaft aus Umzugskartons auf die Bühne. In diesem wohnlichen Provisorium wird nun mancherlei verhandelt, und das Känguru zeigt sich nicht eben zart besaitet: Finanzwirtschaft über Asylpolitik, Arbeitslosigkeit, nationalsozialistische Vergangenheitsbewältigung ... reichlich Gesprächsstoff.

Dennoch dampft die Produktion das 272 Seiten starke Werk auf fluffige 90 Minuten Spielzeit ein. Was blendend funktioniert. Ganz sicher auch, weil mit Lorenz Baumgarten (Kleinkünstler), Manja Haueis (Känguru) und Timon Schleheck in unzähligen „Neben“-Rollen tolle Künstler agieren, die spielen, singen und rocken können. So wird das Ding permanent und auf höchst vergnügliche Weise auf Trab gehalten.

Weitere Vorstellungen: Flensburg (Kleine Bühne) 7., 21. Okt. sowie am 3. Nov. (jew. 19.30 Uhr); Schleswig (Slesvighus) 14. Okt. (19.30); Rendsburg (Kammerspiele) 20. Okt. (19.30 Uhr). Weitere Termine: sh-landestheater.de

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