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Schleswig nur noch als Abstecher?

Landestheater Schleswig nur noch als Abstecher?

Es waren bewegte Zeiten für die Schleswig Holsteinische Landestheater GmbH. Allen Irritationen um den unsicheren Produktionsort Schleswig zum Trotz gibt es jetzt offenbar eine tragfähige Perspektive für das Flächentheater mit seinen fünf Sparten: Die Gutachter werden, so stellt sich die Situation jenseits offizieller Bekundungen dar, den 17 Gesellschaftern am Freitag Zukunftsmodelle aufzeigen, ohne an Grundfesten zu rütteln.

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Theater-Vergangenheit: Das marode Haus am Schleswiger Lollfuß ist seit März komplett abgerissen.

Quelle: Konrad Bockemühl

Schleswig. Die Münchner Unternehmensberatung Actori, renommierter Spezialist für Kultureinrichtungen, hat ihre Arbeit beendet, verschiedene Szenarien zu entwickeln, um die Zukunftsfähigkeit des Landestheaters zu prüfen. In der „Strategiegruppe Theater 2025“ wurden diese Varianten bereits erörtert. Am 8. Mai nun werden sie in Rendsburg präsentiert. Zugleich gibt die Strategiegruppe, in der u.a. die großen Spielorte vertreten sind, eine Kurs-Empfehlung ab. Nach Prüfung und Beratung soll dann am 26. Juni in einer weiteren Gesellschafterversammlung der rechte Weg für das Theater beschlossen werden.

 Bis dahin erhofft man sich auch Klarheit, welche Rolle der bisherige Produktionsort Schleswig künftig spielen kann. Die Stadt hat kein Theater mehr, das Slesvighus dient als Interimsspielstätte, vorerst bis 2016. Das vom Land beförderte Hesterberg-Modell fand keine Mehrheit, ehrgeizige Neubaupläne am Lollfuß sind gescheitert – man steht an der Schlei, dem Firmensitz des Landestheaters mit rund 90 Arbeitsplätzen, derzeit vor dem Nichts und erwog schon den Ausstieg aus der Theater-Solidargemeinschaft. Gerade berappelt man sich wieder: Man wolle doch Gesellschafter bleiben, beschloss das Gremium Ende April auf Antrag von SPD und SSW mit klarer Mehrheit, um so „zum Erhalt des Landestheaters beizutragen“. Und man will „verwaltungsseitig die Möglichkeit einer Spielstätte in Schleswig prüfen, in der Theateraufführungen und auch andere Veranstaltungen möglich sind“. Multifunktionales Kulturhaus, womöglich zumindest weiterhin das Slesvighus statt Theater – das bedeutet zwar den Abschied als Produktionsort, würde aber immerhin den Status als „Abstecherort“ des Landestheaters sichern. Mit entsprechend verringertem Gesellschafterbeitrag (derzeit wie Rendsburg 500000 Euro im Jahr).

 Natürlich freut man sich beim Landestheater auch schon über diese kleine Lösung; natürlich hat man bei Actori angesichts der Unberechenbarkeiten Szenarien mit und ohne Schleswig entwickelt. Aufsichtsratsvorsitzender Pierre Gilgenast, zugleich Rendsburger Bürgermeister, hatte sich überdies schon frühzeitig offen gezeigt, seinen zentralen Produktionsort weiter zu öffnen – da zeichnen sich konkrete Perspektiven ab. Dass Schleswig dennoch nicht ganz außen vor ist, lässt sich aus der Einstimmigkeit der Empfehlung in der Strategiegruppe folgern – der auch der theatermäßig engagierte Bürgermeister Arthur Christiansen angehört. Wenn also die Gutachter eine Zukunft ohne Schleswig schon für tragfähig halten, dürften die Perspektiven mit Schleswig umso günstiger sein. Grundlage wäre in jedem Fall die Dynamisierung der FAG-Landesmittel.

 Sicherlich wird es empfindliche Abstriche geben müssen, dürfte sich Intendant Peter Grisebach bewusst sein, bei Personal, bei der Zahl der Produktionen. Doch bis zum schmerzhaften Spartenabbau, wie etwa derzeit in Rostock, muss es wohl nicht gehen. Geschäftsführer Grisebach weiß zudem, dass er gut gewirtschaftet hat: War für die laufende Spielzeit noch ein Minus von 835000 Euro im Wirtschaftsplan verzeichnet, rechnen schon die Gutachter mit einem geringeren Fehl. Und Grisebach hofft mittlerweile öffentlich sogar auf die schwarze Null. Ein guter Puffer, härtere Zeiten (mit befristeten Schleswiger Ausfällen) zu überstehen. Aber keine Strategie, schon gar keine Garantie für die Zukunft: Für die sollte das neue Konzept stehen.

 Die Stadt an der Schlei spielt so oder so eine große Rolle. In der vergangenen Saison wurde das Angebot für die Schleswiger inklusive Bustransfers zum Musiktheater laut Landestheater von über 24000 Besuchern wahrgenommen. Das ist ein Pfund, das es zu retten gilt. Zugleich mag es beruhigen, wenn die Gutachter selbst einen Totalausfall an der Schlei als verkraftbar einkalkuliert haben. Die Arbeit von Actori, betonten Aufsichtsratschef wie Geschäftsführer auch ohne Inhalte preiszugeben, habe Hand und Fuß. Und die Diskussionen darüber seien konstruktiv verlaufen – und vielversprechend.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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