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Neue Heimat in Rendsburg, Suche in Schleswig

Landestheater Neue Heimat in Rendsburg, Suche in Schleswig

Es war kein leichter Umzug, mitten im Spielzeitgeschehen, mitten in der politischen Diskussion. Aber Generalintendant Peter Grisebach fühlt sich mit seinem Schleswig-Holsteinischen Landestheater gut angekommen am neuen Hauptsitz und künftig einzigen Schauspiel-Produktionsstandort Rendsburg.

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Neue Perspektive in Rendsburg: Generalintendant Peter Grisebach schaut aus seinem neuen Büro nun direkt auf das Stadttheater.

Quelle: Malte Kühl

Rendsburg/Schleswig. Das soll gefeiert werden: Am Sonnabend startet um 11 Uhr in Rendsburg ein großes Theaterfest, mit viel Kultur und neuen Einblicken auch hinter die Kulissen des 115 Jahre alten Stadttheaters und der neuen Räume gleich nebenan. Natürlich hofft man bei so einem Fest nicht nur auf gute Stimmung, sondern auch auf handfeste Langzeiteffekte: etwa ein Mehr an Abonnenten, eine stärkere wirtschaftliche Basis. Derzeit hat der bisherige Hauptsitz Schleswig zwar rund 500 weniger als noch vor fünf turbulenten Jahren, aber immer noch mehr Theaterabonnenten als Rendsburg. Und genau deshalb hat Geschäftsführer Grisebach allen Widrigkeiten kommunaler Kulturpolitik zum Trotz die Wikingerstadt noch lange nicht abgehakt.

 Vorerst ist die Sache an der Schlei ein wenig befriedet, weil nun laut Beschluss einer Ratsmehrheit der Vertrag mit dem Slesvighus als Interimsspielstätte für 300 Zuschauer und leidlichem Ersatz für das abgängige Stadttheater bis 2019, bis zum Auslaufen des derzeitigen Gesellschaftervertrages mit der Stadt, verlängert wird. Aber was dann? Die Stadt ist gefragt, zu klären, wieviel ihr das Theater künftig wert ist und wieviel Theater sie künftig überhaupt noch haben will. Dass man sich mit einer klaren Antwort bereits seit Jahren schwer tut, legen die Beschlüsse der letzten Jahre schmerzhaft nahe. Doch bis Mai 2017 muss das neue Vertragswerk stehen, braucht man für die Landestheater-GmbH wie für die Stadt als Gesellschafter Klarheit, wie weit denn nun das neue multifunktionale Kulturhaus als neue Heimat für welche Sparten des Landestheaters hergerichtet werden soll und kann.

 Dazu gehört auch die Frage, die derzeit noch kaum jemand laut stellen mag, ob man mit dem beherzt erworbenen ehemaligen Mannschaftsheim der Bundeswehr überhaupt das richtige Objekt dafür ausgewählt hat. Oder ob nicht gleich nebenan, Auf der Freiheit 89, in privater Hand nicht eine viel besser geeignete, ehemalige Reparaturhalle für Panzer steht. Man ist auf der Suche nach einer Interimsspielstätte auf sie aufmerksam geworden, weil sie zwei Säle unter einem Dach bietet. Beste Voraussetzungen für eine reibungslose Koexistenz von Theater- und Varietébetrieb, die in der bislang vorgesehenen und Ende 2015 von den Stadtwerken erworbenen „Heimat“ mit weit mehr Umbauten verbunden wäre. Die Statik einer Panzerhalle ist üblicherweise solider als die eine Mannschaftsheimes. Das könnte spätestens dann von Bedeutung sein, wenn man theatergerechte Veränderungen an der Dachkonstruktion vornehmen muss – selbst wenn es denn kein Bühnenturm wird, allemal für eine ansteigende Zuschauertribüne.

 Es gibt noch viel zu klären in Schleswig. Intendant Peter Grisebach behält derweil sein begrenzt abenteuerlustiges Publikum im Auge: Eine weitere Interimslösung will er nicht. Er würde notfalls, ist es in dem jetzt verabschiedeten Letter of Intent klar formuliert, das Slesvighus auch über 2019 hinaus für sein Landestheater anmieten, wenn die Stadt bis dahin keine neue Spielstätte bereitstellen kann – oder will.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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