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Kreis Dithmarschen schert aus

Landestheater Kreis Dithmarschen schert aus

Das Landestheater von Schleswig-Holstein kommt nicht zur Ruhe. Der Kreistag Dithmarschen hat am Freitag mit klarer bürgerlicher Mehrheit den Ausstieg aus der Landestheater-GmbH zum 1. August 2019 beschlossen.

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Landestheater: Anke Spoorendonk bedauert den Aussstieg des Kreises Dithmarschen.

Quelle: Ulf Dahl

Heide. Der Ausstiegsbeschluss des Dithmarscher Kreistages hat das Landestheater in eine neue Krise gestürzt. Und das, nachdem man gerade erst über ein gutachterlich empfohlenes Zukunftskonzept breite Einigung erzielt hatte. Auf der Sitzung am Freitagabend in Heide votierten Abgeordnete von CDU, FDP und Unabhängiger Wählergemeinschaft UWD für die Kündigung des Gesellschaftervertrages zum 1. August 2019. Der Kreis zahlt jährlich rund 180000 Euro an das Landestheater.

Die klare bürgerliche Mehrheit will Kulturmittel künftig lieber selbstbestimmt vergeben.  „Die Kündigung bedeutet für den Kreis nicht weniger Kultur“, sagt der FDP-Kreisvorsitzende Oliver Kumbartzky. Mit den 180000 Euro, die dann jährlich eingespart würden, solle die Kulturförderung im Kreis neu aufgestellt werden. Davon soll zum Beispiel das Elbeforum in Brunsbüttel profitieren, das jährlich 25000 Besucher anlockt, aber nicht vom Landestheater gefördert wird.

Der Beschluss könnte deshalb fatale Folgen haben, weil der Kreistag Schleswig-Flensburg seinen Verbleib in der Landestheater GmbH von der Geschlossenheit aller Gesellschafter abhängig gemacht hatte. Damit stünde nun die nächste Kündigung des Gesellschaftervertrages an - und ab 2019 der zusätzliche Wegfall eines jährlichen Beitrages von derzeit rund 330000 Euro. In der Summe könnte das die Existenz des Landestheaters gefährden. Ein Dominoeffekt mit weiteren Kündigungen, zumindest weiteren Beitrags-Diskussionen, wird vor diesem Hintergrund nicht ausgeschlossen.

Kulturministerin Anke Spoorendonk reagierte, wie auch die Landräte von Dithmarschen, Jörn Klimant, und Schleswig-Flensburg, Wolfgang Buschmann, sehr besorgt auf das Heider Votum: "Hier wird weit über den Kreis Dithmarschen hinaus ein großer Schaden angerichtet". Die Ministerin appellierte "eindringlich" an alle Beteiligten, sich an einen Tisch zu setzen, "um alle Möglichkeiten zu prüfen, den Schaden abzuwenden. Ich bin gerne bereit, dabei zu sein".

Auch der Kreistag Nordfriesland hatte sich mit einen Kündigungsantrag befasst, den rein finanziell begründeten Ausstieg eine Woche zuvor aber knapp abgewendet. Die Stadt Schleswig hatte im Vorfeld nach langer Zitterpartie den Verbleib in der Landestheater-GmbH bekräftigt, und dafür eine Perspektive an der Spielstätte Slesvighus als Ersatz für das wegen Baufälligkeit abgerissene Theater abgesichert.

Für Anke Spoorendonk ist die Heider Entscheidung umso unverständlicher, als sich die Kreisstadt Heide und die Stadt Meldorf als Gesellschafter klar zu Landestheater bekennen: "Die Landestheater-GmbH ist ein Erfolgsmodell, das nur im Verbund aller Gesellschafter funktioniert. Gemeinsames politisches Ziel muss daher sein, sie in ihrer Struktur zu erhalten" - auch als wichtigen Baustein für die kulturelle Grundversorgung im ländlichen Raum. Auch in der Spielzeitpause kommt das Landestheater nicht zur Ruhe.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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Foto: Auch der Kreis Schleswig-Flensburg hat den Vertrag mit dem Landestheater gekündigt.

Die Perspektiven des Landestheaters haben sich erneut deutlich verschlechtert: In Konsequenz des Dithmarscher Ausstiegsbeschlusses hat auch der Kreis Schleswig-Flensburg bekräftigt, den Gesellschaftervertrag zu kündigen. Die Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen von CDU, SPD, SSW, Grünen und FDP sagten zugleich: „Wir kündigen, um zu angemessenen Konditionen zu bleiben“.

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