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Wirkt das Signal aus Schleswig?

Landestheater Wirkt das Signal aus Schleswig?

Kaum scheint in Schleswig der Knoten ums Landestheater gelöst und in Rendsburg der Weg frei für den neuen Verwaltungssitz, tauchen neue Probleme auf.

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Seit 2012 provisorische, nun bald dauerhafte Spielstätte? Das Slesvighus.

Quelle: hfr/Landestheater

Schleswig. Im Kreis Dithmarschen gibt es einen Vorstoß von CDU, FDP und Unabhängiger Wählergemeinschaft den Gesellschaftervertrag zu kündigen. Und auch im Kreis Nordfriesland wird darüber diskutiert. Neues Bangen: Ohne Westküstenbespielung wäre das einmalige Theaterkonstrukt wiederum in Frage gestellt.

Eigentlich gab es in der vergangenen Woche Grund zur Freude: Erste Sondierungen mit dem Sydslesvigsk Forening (SSF) haben ergeben, dass das Slesvighus an der Schlei wie schon nach Schließung des maroden Theaters 2012 auch weiterhin, allemal bis 2019 und womöglich bis 2028, Schleswiger Spielstätte des Landestheaters bleiben könnte. Bürgermeister Arthur Christiansen freute sich öffentlich über die Bereitschaft des Südschleswigschen Vereins und sah gestern so mit „gebremster Euphorie“ die Voraussetzungen für einen Verbleib in der Landestheater-Gesellschaft als erfüllt – mit welchem (sicher verringerten) Beitrag freilich, müsse noch verhandelt werden. Und die Politik muss noch ihren Segen geben. Aber „der Druck ist raus“.

 Auch Generalintendant Peter Grisebach freute sich, dass damit das „Worst-Case-Szenario“ der Actori-Theatergutachter für die Zukunft seines Hauses abgewandt sei, Kündigungen vermieden werden könnten und vor allem die rund 24000 Theaterbesucher aus Schleswig weiter kulturell versorgt wären. Auch aus Rendsburg kommen positive Signale: Mit der Alten Kaiserlichen Post steht gleich neben dem Theater ein neues Heim für Intendanz und Verwaltung zur Verfügung, die Politik stützt offenbar die Pläne von Bürgermeister und Aufsichtsratschef Pierre Gilgenast, angesichts der rund 80 hier neu anzusiedelnden Arbeitsplätze den GmbH-Anteil Rendsburgs um 100000 Euro zu erhöhen. Auf der Gesellschafterversammlung am 26. Juni sollte das alles besiegelt werden.

 Doch nun zeichnet sich ab, dass es auch nach dem 26. Juni noch offene Existenzfragen gibt. Denn noch bis zum 31. Juli sind Kündigungen von Gesellschafterverträgen über 2019 hinaus möglich. Und der Kreis Dithmarschen, wo ausgerechnet der frühere Landestheater-Aufsichtsratsvorsitzende Jörn Klimant Landrat ist, wackelt. Im Gegensatz zu den Spielorten Heide und Meldorf, die dabei bleiben wollen, im Gegensatz sicher auch zur Auffassung des Landrates, liegt ein Antrag auf Ausstieg vor. Einen Tag vor der Gesellschafterversammlung wird er im Kreistag behandelt. In Nordfriesland tagt der Kreistag gar erst am 10. Juli über das Thema. Derzeit, so hieß es gestern von einem Sprecher, berieten die Fraktionen – ausdrücklich ergebnisoffen und auf Basis des Actori-Gutachtens. Und wissend, dass die Mittel der (Kultur-) Stiftung Nordfriesland wegen sinkender Dividenden knapper werden.

 Doch die Rahmenbedingungen der ersten Diskussionen haben sich seit den letzten Ausschusssitzungen geändert. Denn Schleswig bleibt als Bespielort absehbar an Bord. Wenn jetzt ein anderer aus der Theater-Solidargemeinschaft ausschert, könnte das erneut das große Ganze gefährden. Ohne Westküsten-Bespielung, so heißt es, fiele ein Kernauftrag des Landestheaters weg, wäre womöglich auch die Landesförderung gefährdet. Und: Wenn nur einer den Gesellschafterkreis verlässt, gibt es womöglich kein Halten mehr. Doch wer will schon den roten Knopf drücken - man beäugt sich. Das klare Signal aus Schleswig scheint deshalb umso wichtiger für die Zukunft des Landestheaters.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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