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Jaschi Klein, der Moment und der Wind

Kiel Jaschi Klein, der Moment und der Wind

Ein endloser Strand mit hohem Himmel. Im Vordergrund ein Tisch, unter dem ein barfüßiger Mann im schwarzen Anzug schwebt. Schwerelos, gerade so, als würde er schwimmen.

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„Landschaftskonferenz“: Die Fotografin Jaschi Klein bei Take/Maracke.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Stühle umstehen den Tisch, seltsame Miniaturausgaben, die die Proportionen verzerren – einer verliert sich ganz in der Weite. Die Hamburger Künstlerin Jaschi Klein hat diese surreal wirkende Inszenierung am Nordseestrand in einer Schwarz-Weiß-Fotografie eingefroren. Über 30 dieser meist großformatigen Fotografien sind jetzt in der neuen Ausstellung unter dem Titel Landschaftskonferenz in den Räumen von Take/Maracke zu sehen. Allesamt analog fotografiert und mit höchster Kennerschaft und Raffinesse abgezogen.

Take-Kuratorin Maren Welsch hat die Künstlerin in ihre Heimatstadt Kiel zurückgeholt. Mit einem Fotografiestudium an der Muthesius-Werkkunstschule begann Jaschi Kleins künstlerischer Weg. Nach dem Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg folgten Arbeitsaufenthalte in Paris, London und New York. Eine Reisende ist Jaschi Klein geblieben; als Gastprofessorin und Leiterin von internationalen Workshops oder durch die Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Michael Engler, mit dem sie europaweit zahlreiche Dokumentarfilme realisierte.

Jaschi Kleins eigene künstlerische Arbeit ist ohne umtriebige Mobilität, und minuziöse Planung und einen zuverlässigen Wetterbericht nicht denkbar. Am Strand von St. Peter Ording oder weiter nördlich in Jütland hat sie die grafische Naturkulisse ihrer Wind-Skulpturen gefunden. Sonnenstand, Wellen und Wolken, alles muss stimmen in diesem einen Moment, wenn ein Windstoß oder eine Bö die „Segel“ dieser fragil wirkenden Skulpturen ausrichtet, parallele Schatten wirft und den Kontrast zwischen Erde und Meer polarisiert.

Nicht von ungefähr erinnern diese Installationen an Partituren oder die leeren Notenpulte eines Orchesters. Der Klang des Windes, sein Sausen und Aufbrausen, ist diesen Bildern unterlegt wie eine Begleitmusik. Dass Jaschi Klein in ihrer Heimatstadt noch nie in einer Einzelausstellung gezeigt wurde, ist erstaunlich. Hat sie doch mit ihrer konsequenten Spielart der „Landart“ Maßstäbe gesetzt.

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