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In Balance zwischen E- und U-Musik

Leo Siberski In Balance zwischen E- und U-Musik

„Ich fühle mich hier schon wie zu Hause“. Wenn im Kieler Opernhaus am heutigen Donnerstag die Wiederaufnahme der faszinierend eigenwilligen Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von Bertolt Brecht und Kurt Weill läuft, steht ein Wahlkieler am Pult: Leo Siberski, 1969 in Hannover geboren, ist zwar seit Beginn der Spielzeit nicht mehr Erster Kapellmeister und GMD-Stellvertreter, fühlt sich aber inzwischen betont heimisch am Ufer der Eider.

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Leo Siberski hat nach vier Kieler Kapellmeisterjahren jetzt neue Musikvermittlungsprojekte im Sinn.

Kiel. Mit seiner Lebensgefährtin, der mit der Philip-Glass-Oper In der Strafkolonie so erfolgreichen Regisseurin Julia Anslik, bewohnt er ein Häuschen in Schulensee. Gemeinsam mit Kammersängerin Heike Wittlieb hecken sie derzeit einen „szenischen Liederabend“ für das Schauspielstudio aus, der dem sagenumwobenen Liebesdreieck Clara und Robert (Schumann) sowie Johannes (Brahms) gewidmet ist.

Erstmal aber Oper in der Wirkungsstätte, die vier Jahre lang fast alle kreativen Kräfte des umtriebigen Trompeters und Dirigenten absorbiert hatte. Leo Siberski sieht die Zeit als extrem wichtig für seine Weiterentwicklung am Pult an. „Karajan hat nicht umsonst gesagt, man braucht 25 Jahre, um ein guter Dirigent zu werden. Und da bin ich ja immer noch weit entfernt davon“, lacht er. Seinen Ausstieg in die Freiheit, aber auch Unsicherheit des Musikmarktes findet er nach wie vor richtig, auch wenn er bedauert, so ausgerechnet eines seiner Lieblingsstücke, das Musical My Fair Lady, zu verpassen. Doch jetzt müsse es für ihn auch mal darum gehen, „nicht nur musikalisch die volle Verantwortung zu tragen, sondern auch administrativ, programmatisch und dramaturgisch zu gestalten, Dinge auf die Beine zu stellen“. Wobei er betont, es sei allen Vorgesetzten im Opernhaus hoch anzurechnen, „dass sie mich in meinem Bereich haben machen lassen – bis hin zum Implantat von Jazz-Nummern in Nicolais Lustigen Weibern, obwohl Operndirektor Linden angesichts der Idee zunächst fast vom Stuhl gefallen ist ...“.

 Von Kiel aus gastiert Siberski inzwischen bei namhaften Orchestern, leitet Konzerte des SWR-Sinfonieorchesters in Freiburg oder des Radio-Sinfonieorchesters in Stuttgart. „Und das Schöne ist: Alle Orchester, bei denen ich war, wollen mich wieder einladen.“

 Im Rückblick benennt der Dirigent neben der „Gesamtherausforderung“ durch Janaceks Oper Jenufa vor allem Mozarts Don Giovanni im März 2013 als beglückendste Erfahrung im Bereich Musiktheater. „Was ich da im Kieler Opernhaus in der musikalischen Arbeit erlebt habe, war wunderbar.“ Auch das Ballett Romeo und Julia beschreibt Siberski als besonders stimmigen Abend, zumal Prokofjew für die Musiker „immer an die Grenze des Machbaren geht.“

Nach dem kühnen Crossover-Ritt mit Klaus Doldinger und seiner Band habe ihn Tatort-Titelmusik-Komponist zehnmal als Gastdirigenten zu diversen anderen Orchestern eingeladen, weil er so zufrieden war. Nach wie vor balanciert Siberski gerne zwischen den Welten von E- und U-Musik – siehe Mahagonny. Auch sein in Kiel gegründetes Deux Arts Quartett, in dem jeder Spieler zwei verschiedene Instrumente einbringt, ist weiter aktiv.

Lohnend erscheint Leo Siberski die Arbeit mit jungen Menschen, wie zuletzt in seiner 30. Opernproduktion, der Weißen Rose von Udo Zimmermann. Jetzt will Siberski im Bereich Musikvermittlung mit einem eigenen, gesellschaftlich relevanten, derzeit aber noch nicht spruchreifen Projekt aktiv werden. Stilübergreifend will er damit gerade denen nachhaltige Klangerlebnisse ermöglichen, die nie ins Konzert gehen.

Wiederaufnahme Weill / Brecht „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“, heute, Do, 19.30 Uhr, Opernhaus. Ein Abend um Clara Schumann, So, 22. November, 19.30 Uhr, Schauspiel-Studio. con-spirito-Konzert: „Nosferatu“, Stummfilm mit Live-Orchester; So 29. Mai, 18 Uhr. Karten: 0431 / 901 901. www.theater-kiel.de

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