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Symphonie des Grauens

Kieler Philharmoniker Symphonie des Grauens

Wie klingt das pure Grauen? Wie piepsen die Ratten, die als wuselnde Erfüllungsgehilfen des Bösen die Pest in die hanseatischen Gemäuer einschleppen? Wie hört es sich an, wenn sich riesige Tore wie von Geisterhand öffnen, um den unaufhaltsam heranschleichenden Chefvampir hindurchzulassen. Hat die Angst braver Menschen eine Tonfarbe? Lauter Fragen, auf die der Komponist Bernd Wilden in seiner Partitur für Friedrich Wilhelm Murnaus Meisterwerk "Nosferatu" enorm starke Antworten parat hat.

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Ellen (Greta Schröder, li.) hat sich geopfert: Nosferatu (Max Schreck) wird durch ihr Blut endlich sterben und die Stadt von ihrem tödlichen Fluch befreien.

Kiel. Das stumme Inititalwerk des Horror-Genres von 1921 war am Sonntag projizierter Gegenstand des dritten „con-spirito“-Sonderkonzerts der Kieler Philharmoniker. Im gut besuchten Kieler Schloss quittierte ein animiertes Publikum mit lang anhaltendem Beifallsbrausen die vom Dirigenten Leo Siberski umsichtig, ausdrucksstark und zum Teil erstaunlich punktgenau den Kinobildern unterlegte Symphonie des Grauens, die Wilden 2004 neu hinzuerfunden hat.

 Manche Heiterkeit, aber eben noch heute auch ein gewisses Unbehagen lösen Murnaus fantasievoll fantastischen Sequenzen aus, in denen der brave Hutter mit seiner jungen Frau Ellen in die spinnenfingrigen Klauen und unter die spitzen Blutsauger-Zähne des karpatischen Grafen Orlok gerät. Wilden trägt mit seinem großsymphonischen Tonstrom wesentlich dazu bei, dass die bedrohliche Atmosphäre keinerlei ernstliche Spannungsbrüche erleidet. Mit einer Klangregie und Instrumentationskunst auf Augenhöhe mit Richard Strauss oder Igor Strawinsky führen die oft von schwerem Blech, Klavierbass, Kontrabässen, tief orgelnden Holzbläsern und Hörnern abgründig satt geerdeten Tutti-Harmonien diesseits und jenseits des Romantischen ins Reich des Übernatürlichen. Dazwischen setzen etwa die Solo-Violine, die Flöten, die Harfe, die Singende Säge (auf dem Keyboard) und vor allem das reich verwendete Schlagwerk Geräusch- und Motivmarken, die in der Sprache einer gemäßigten Moderne der Optik erzählerisch entsprechen. Man kann das vielleicht anders machen; besser wohl kaum.

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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