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Lesia Mackowycz singt "My Fair Lady"

Oper Kiel Lesia Mackowycz singt "My Fair Lady"

Seit Lesia Mackowycz im Sommer das Ensemble der Kieler Oper verlassen hat, um ganz in Darmstadt zu leben, hat die Sopranistin eine Gastdozentur in China an der South University of Science and Technology angetreten. Die Sängerin singt ab 25. November dennoch wieder die Titelpartie im Musical "My Fair Lady".

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Lesia Mackowycz wurde einst von ihrer Grundschullehrerin für den berühmtesten kanadischen Kinderchor entdeckt.

Quelle: Olaf Struck

Kiel. In der 11-Millionen-Finanzmetropole Shenzhen nahe Hongkong hatte die Kanadierin 2009/10 eine Meisterklasse gegeben. „Der Kontakt kam über meine chinesische Konzertagentin zustande, die mir schon eine Königin der Nacht in Shanghai vermittelt hatte.“ In Darmstadt jedoch arbeitet ihr Mann als Arbeitsmediziner. Der enge Zusammenhalt der Familie ist der Sängerin wichtig. Wenn sie sagt, „ich weiß, wie schnell das vorbei sein kann“, hat das autobiografisches Gewicht und lenkt den Blick zugleich zurück auf eine ihrer wichtigsten Partien an der Kieler Oper zurück, wo sie seit 2007 im Koloraturfach engagiert war: Matsukaze, die Uraufführung von Toshio Hosokawa im Mai 2015. „Ich liebe zeitgenössische Musik; ich kann die Moderne mit meinem absoluten Gehör auch sehr schnell lernen; auch mag ich es gerne etwas skurril.“ Aber weit wichtiger war, dass ihr die japanische Rolle half, ihre eigene Trauer positiv zu verarbeiten und so zurück auf die öffentliche Bühne zu finden: „Die Figur kam nach dem Tod meines ersten Sohnes genau im richtigen Moment. Die Rolle war mein Ich, ich konnte ihre inneren Konflikte bestens verstehen.“ Musikalisch habe sie sowieso sehr gut zu ihr gepasst. Und die Arbeit von Regisseur Matthias von Stegmann sei die intensivste Erfahrung der Kieler Jahre geworden.

 Als Gast singt sie ab Freitagabend wieder eine andere, für sie zentral wichtige Partie: die Eliza in My Fair Lady. „Eine große Musical-Partie war neu für mich. Und die Sprache mit Dialekt sowie die tiefe Lage und der Stil waren eine wunderbare Herausforderung.“ Wichtig werde außerdem immer die Adele in der Fledermaus für sie bleiben: „Meine erste Partie auf der großen Bühne in Kiel. Und ich habe sie sowohl in Kanada als auch bei den Eutiner Festspielen singen dürfen.“ Gerne erinnert sie auch die Arbeit mit dem Alte-Musik-Spezialisten Ruben Dubrovsky an Händels Agrippina. „Barockmusik ist nur langweilig, wenn man sie langweilig macht!“

 Ihre Heimat Kanada, wo sie aus dem englischsprachigen Teil stammt, aber im französisch geprägten Montreal studierte, sei „ein schöner Ort für die Rente“, lacht die Sängerin. Unbedingt möchte sie vorher noch mal die Zerbinetta in Strauss’ Ariadne singen: „Die habe ich in Kiel durch die Geburt meines zweiten Sohnes verpasst. Eine Zerbinetta im neunten Monat schwanger? Aber es war ein guter Tausch!“ Die größte Wunschpartie bleibe aber die Lulu von Alban Berg. Da komme das Zeitgenössische mit der Koloratur optimal zusammen.

 Am Kieler Opernhaus, wo sie einst nur drei Tage nach ihrer Hochzeit antrat, wird Lesia Mackowycz außerdem noch im Vorbühnenschlager Sekretärinnen und mit einem Konzert im Foyer zu hören sein. In Darmstadt hat sie jetzt ein Klavier in Angriff genommen: „Auch wenn mein Bruder über mein Klavierspiel immer frech geurteilt hat, ich spiele wie ein Einhorn mit Ofenhandschuhen ...“

www.theater-kiel.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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