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Murat Baltic und die "Verlorenen Söhne"

Literatursommer Murat Baltic und die "Verlorenen Söhne"

Zur Halbzeit des Literatursommers las mit Murat Baltic ein Autor im Literaturhaus in Kiel, der das Thema Fluchtmigration mit einer existenziellen Erfahrung verbindet. 1952 im ehemaligen Jugoslawien geboren, flüchtete der Kritiker des Milosevic-Regimes 1999 nach Deutschland.

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Seit zehn Jahren lebt Murat Baltic in Deutschland. In seiner jugoslawischen heimat war er 22 Jahre lang als Richter tätig. 

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. In seinem Roman Verlorene Söhne gibt der ehemalige Richter und mehrfach ausgezeichnete Autor den Geflüchteten  eine Stimme. Mit dem  kosovarischen Sulejman, Oberhaupt einer 14-köpfigne Roma-Sippe,  und dem peniblen Reinhard Krieger, Beamter der Ausländerbehörde, prallen in der Geschichte zwei Welten aufeinander. Als Kriegers Sohn, der als KFOR-Soldat im Kosovo stationiert ist,  während seines Einsatzes stirbt,  gerät die in Stein gemeißelte Beamtenphilosophie des Vaters ins Wanken. In langen Gesprächen mit Sulejman schwindet Kriegers Distanz zu dem lebensbejahenden Roma – der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zeichnet sich ab.

Der Roman trägt in Teilen autobiographische Züge. „Herr Krieger hat meinen Fall bearbeitet, Sulejman habe ich getroffen“, sagt Baltic. Bis heute würden die Zigeuner, die während des Zweiten Weltkrieges unter Pogromen zu leiden hatten, weltweit diskriminiert. „Im Kosovo leben sie in Häusern aus Pappkartons, doch man schweigt darüber. Ich wollte die Aufmerksamkeit auf diese Zustände lenken.“ Zudem geht es in seiner Geschichte ganz allgemein um das endlose Prozedere von Befragungen und die würdelose Einengung der Flüchtlinge seitens deutscher  Behörden. Reale Fakten und  fiktive Elemente fügen sich zu einer berührenden modernen Saga über Flucht und Einwanderung.                                   

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