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Keine Angst vor starken Farben

Liesel Härle-von Werder Keine Angst vor starken Farben

Die Kieler Malerin Liesel Härle-von Werder malt nicht aus therapeutischen Gründen, sondern nur, wenn es ihr gut geht. Jetzt ist ein Werkverzeichnis für Kunstfreunde und Sammler ihrer Gemälde erschienen.

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Endlich ein Werkverzeichnis für Kunstfreunde und Sammler ihrer Gemälde: Die Kieler Malerin Liesel Härle-von Werder freut sich über den opulenten Bildband.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Wer sich diese Farbe traut, der hat keine Berührungsängste: Kraftvoll leuchtendes Cyklamrot hat Liesel Härle-von Werder für ihren Blazer gewählt. Und es verträgt sich völlig selbstverständlich mit den in sattem Venezianischrot gestrichenen Wohnräumen oder dem resedagrünen Entree im Düsternbrooker Haus. Schon lange hatten Sammler und Freunde bedauert, dass es keinen Katalog, geschweige denn ein Werkverzeichnis gebe, das einen Überblick über das in ganz Deutschland verstreute Werk der Malerin ermöglicht. Der 80. Geburtstag im vergangenen Jahr gab schließlich den Anstoß und weil gut Ding Weile haben muss, liegt der von der Kieler Kunsthistorikerin Bärbel Manitz betreute Band nun vor.

 Auf knapp 300 Seiten breitet das Buch ein malerisches Lebenswerk auf, das der Kieler Fotograf Alexander Voss mit hohem Anspruch an die Farbwiedergabe reproduziert hat. Dass er dafür eine Deutschlandtour absolvieren musste, sieht der ausgewiesene Architekturfotograf sportlich. Schöne Begegnungen seien das gewesen und am Ende waren es wohl an die hundert Gemälde, die den Weg in den Band gefunden haben.

 Die Gründe dafür, dass die Malerin hierzulande nur einem Kreis von Liebhabern und Sammlern ein Begriff ist, sind vielfältig. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn Liesel von Werder während ihres Kunststudiums in Tübingen und Karlsruhe dem Dunstkreis des Akademischen entkommen wäre. Der Unterricht bei ihrem Lehrer Gottfried Meyer jedenfalls, den sie gleichwohl als wichtigen Mentor und Freund bezeichnet, war streng, ja fast schulisch und verlangte Disziplin. So skizziert es Bärbel Manitz. Just in ihrem ersten Semester in Karlsruhe habe die Abstraktion eingeschlagen, sagt Liesel Härle-von Werder und in der Akademie entbrannte prompt der Kampf zwischen Tradition und Aufbruch. Die junge Malerin aber zog es hinaus in die Landschaft, was in dem Buch lebendig belegt wird. Schuldienst als Kunsterzieherin, Kindererziehung und nicht zuletzt familiäre und gesellschaftliche Verpflichtungen hätten einer Karriere als freischaffender Künstlerin Grenzen gesetzt.

 Das habe sich schlagartig geändert, als die drei Kinder 1990 aus dem Haus waren. Da habe sie noch einmal richtig durchgestartet, sagt die Malerin in ihrer frischen zupackenden Art und strahlt, als sei ihr eben eine Partie in vibrierendem Grün oder tintigem Ostseeblau geglückt. Denn Farbe ist der Dreh und Angelpunkt ihrer Landschaften, Porträts und Stillleben, die sich so mutig wie konsequent vom Dargestellten freimachen. „Ich suche Qualität in der Farbfläche – unabhängig vom Gegenstand“, sagt die Malerin, für die es kein Widerspruch ist, einen Abstrakten wie Mark Rothko zu lieben, sich gleichzeitig für Edward Hopper zu begeistern oder den geheimnisvoll aufgeladenen Realismus von Peter Doig zu bewundern. Ihr Qualitätsgefühl für die Moderne hat die Malerin in den großen Museen geschult. Wenn sie ihren Mann Franz Härle zu internationalen zahnmedizinischen Kongressen begleitete, waren Museumsbesuche für beide selbstverständlich.

 Das nun vorliegende Werkverzeichnis schlägt den Bogen von 1954 bis 2015. Die Motive? Es kann der eigene Garten genauso sein wie der Strand von Hohwacht, Nikos Ziegen im griechischen Ferienort oder die Probsteier Scheune. Nicht nur der treibt Liesel Härle-von Werder idyllische Heimeligkeit aus. Was für sie zählt, ist Komposition und die alles tragende Farbe. Eigentlich bist du ziemlich modern, hatte jüngst eine Freundin über ihre Bilder gesagt. Der Blick in den Band gibt ihr Recht.

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