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Lustvoll älter werden

Lilo Wanders in Lutterbek Lustvoll älter werden

„Endlich 60 – gaga, geil und gierig“, mit dieser plakativen Alliteration begegnet Lilo Wanders, Kunstfigur des Schauspielers und Travestiekünstlers „Ernie“ Reinhardt, lustvoll dem Älterwerden. Ein proppenvoller Lutterbeker feiert die Grande Dame der Kleinkunst.

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Rollator und Pailletten-Kleid: Lilo Wanders.

Quelle: Kai-Peter Boysen

Lutterbek. Bei der Vorpremiere des Programms sind die Zuschauer von Wanders begeistert, als diese auf den Rollator gestützt im goldenen Pailletten-Kleid die Bühne betritt. Als stark überzeichnete Figur mit Gebiss und immensen Proportionen nuschelt Lilo gleich zu Beginn eine vielschichtige Erkenntnis in den Raum: „Entweder verlierst du die Figur oder dein Gesicht“. Es folgt der Schluck aus der (natürlich mit Wasser gefüllten) Wodkaflasche und der dazu passende Tipp „Wussten Sie, dass man mit 37 Bier den Tagesbedarf an Vitamin C decken kann?“ So hat sich das Publikum schnell warm gelacht und schaut mit Lilo zurück auf deren Karrierebeginn, als sie unter dem Namen Sally Starmix die Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Evelyn Künneke interviewen musste. Ein nahezu traumatisches Erlebnis, das Wanders in einer herrlichen Künneke-Parodie („Dann wurden meine Brüste zu gewichtig für`s Ballett – also hab ich Steppen gelernt“) aufarbeitet.

Notizzettel: Bisweilen gestörter Programmfluss

Bekannt wurde Lilo Wanders durch die „Schmidt-Mitternachtsshow“ und avancierte durch die TV-Sendung „Wa(h)re Liebe“ zur „Sexpertin der Nation“. Für die Sendung seien ihr 353 Kleider genäht worden, erzählt sie im gewohnt näselnden Ton. Die passen jetzt wieder dank der „SOS (Schlank Ohne Sport)-Diät“, dennoch nimmt das Alter seinen Lauf und Frau Wanders gesteht, dass sie ohne diverse Stichwortzettel die Texte des neuen Programms noch nicht parat habe. Das ist vollkommen in Ordnung, nur leidet verständlicherweise der Programmfluss bisweilen darunter.

Sand im Räderwerk der biologischen Uhr

Lilo Wanders nimmt häufig Platz auf dem Barhocker und plaudert, philosophiert, resümiert, mischt gekonnt ernste Fakten unter humorvolle Betrachtungen des Altseins und –werdens und gewährt mit trockenem Humor Einblicke ins eigene (Sex-)Leben und das einiger Kolleginnen. Auch der Alkohol ist nicht nur in Form der griffbereiten Wodkaflasche Thema, doch die Zeiten, in denen Lilo Wanders nur im Dunkeln zum Glascontainer ging, sind vorbei. Zur Auflockerung präsentiert die Künstlerin leicht swingende Songs über Mutterliebe oder das starke Motiv des Programms: Ohne Reue zurückzublicken und geil auf das (Bühnen-)Leben zu bleiben. Sie habe „fürchterlichen Schiss“ vor dem Abend gehabt, erzählt sie am Ende des Auftritts. Mehr als Lampenfieber ist jedoch unbegründet, denn Lilo Wanders streut mit Reife und ansteckendem Humor Sand ins Räderwerk der biologischen Uhr.

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