6 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Literarische Brückenbauer

Auftakt Literatursommer Literarische Brückenbauer

„Literatur ist Weltverständigung“, sagt Wolfgang Griep, Vorstandsvorsitzender des Literaturhauses Schleswig-Holstein, zur Eröffnung des Literatursommers in Schloss Gottorf. Und vielleicht gilt das noch ein bisschen mehr für dieses Jahr, das sich Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien widmet.

Voriger Artikel
Im Erzählen die Welt entdecken
Nächster Artikel
Mit schrägem Witz und viel Seele

Literarische Brückenbauer: Schriftsteller Dževad Karahasan (re.) und Verleger Lojze Wieser auf Schloss Gottorf.

Quelle: Michael Kaniecki

Schleswig. Keine 300 Übersetzungen habe es zwischen 1866 und 1980 aus den Ländern des Balkan ins Deutsche gegeben, sagt der Klagenfurter Verleger Lojze Wieser, der mit dem Schriftsteller Dževad Karahasan gekommen ist. Dabei erweist sich in den Grußworten und Reden, dass uns die Literatur vom Balkan näher liegt, als zunächst offensichtlich. Sara Dusanic, die den Literatursommer ausgearbeitet und organisiert hat, verweist auf den besonderen Blick der Autoren auf Europa, die sich an der geografischen Schnittstelle zwischen Ost und West eigentlich immer schon als Brückenbauer begriffen haben. Siehe Nobelpreisträger Ivo Andric, der dem Literatursommer das brückenbauende Motto gibt.

Oder eben Dževad Karahasan. Der 64-Jährige, in Leipzig mit dem Preis für Europäische Verständigung (2004) ausgezeichnet und 2012 mit der Goethe-Medaille, liest auf Gottorf aus seinem Epos Der Trost des Nachthimmels. Darin verwebt der Schriftsteller die Wirren im multireligiösen Seldschukenreich des 11. Jahrhunderts mit dem Balkankrieg 1992 und einer Gegenwart, in der ein bosnischer Wissenschaftler als Migrant im norwegischen Bergen einer im Krieg verlorenen Handschrift nachspürt. Da spiegeln Begriffe wie „Papierfresser“, „Wortverschlinger“ und „Zufluchtsworte“ das Politische und belegen, was Karahasan in einem von Wolfgang Griep zitierten Essay schrieb: „Das Wesentliche ist nur durch das Narrativ erfassbar.“ Kein Wunder, dass das Erzählen für den Schriftsteller zu den menschlichen Grundbedürfnissen gehört.

So wird der Leser im Literatursommer zum Weltentdecker. Der wäre Lojze Wieser, der sich zum Abschluss des Abends im Hirschsaal als begnadeter Erzähler erweist, nur allzu gern noch viel weiter gefolgt als nach Venedig im Gedicht des Bosniers Abdulah Sidran. 450 Übersetzungen aus den Balkansprachen hat der Österreicher seit 1987 veröffentlicht. Eine Art Landkarte der Literatur des Balkans (Sara Dusanic), die sich im Literatursommer mit insgesamt sechs Autoren zumindest in Ausschnitten erkunden lässt.

Dževad Karahasan: 27. Juli, 19 Uhr, Diakonisches Werk Husum; 28. Juli, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek Flensburg. Lojze Wieser, 27. Juli, 19 Uhr, Gemeindebücherei Süderbrarup. Literatursommer bis 25. August. www.literaturhaus-sh.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3