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Biografien und die ganze Welt

Literaturhaus Kiel Biografien und die ganze Welt

Bestseller-Autor Arnon Grünberg (8. Oktober) thematisiert im Roman Muttermale die Beziehung zu seiner Mutter, aber auch das Altwerden mit seinen Begleiterscheinungen für die folgende Generation. Thomas Melle (21. November) hat eine Chronik seiner manisch-depressiven Erkrankung aufgeschrieben und landete mit dem Buch Die Welt im Rücken auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Zwei von vielen Herbst-Gästen im Literaturhaus S-H.

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Der Schriftsteller Michael Ende (1929-1995) hat die Kinderbuch-Expertin und Wissenschaftlerin Birgit Dankert beschäftigt. Das Buch stellt sie in der Reihe „Biografie und Literatur“ vor.

Quelle: Stiftung Internationale Jugendbibliothek

Kiel. Der Niederländer Gerbrand Bakker (22. September) verknüpft die Geschichte seiner „Schriftsteller-Werdung“ in Jasper und sein Knecht mit der Beziehung zu seinem Hund Jasper. Und Astrid-Lindgren-Biografin Birgit Dankert spürt in Gefangen in Phantasien Leben und Werk des Erfinders von Momo und Die unendliche Geschichte, Michael Ende (1929-1995), nach (26. September). Ein Einblick, den eine von der Internationalen Jugendbibliothek in München übernommene Ausstellung im Literaturhaus Schleswig-Holstein ergänzt.

 „Wir gehen im Herbstprogramm auf biografische Spurensuche in der Literatur“, sagen Wolfgang Sandfuchs und seine Mitarbeiterinnen Sara Dusanic und Juliana Kalnay über die Bücher, die erst zufällig, dann gezielt zur vielfältig spannenden Reihe wurden. „Wir stellen Autoren vor, die sich auf höchst unterschiedliche Weise mit eigenem oder fremdem biografischen Material befassen.“ Das Programm vervollständigen der in Ungarn gebürtige Chamisso-Preisträger Akos Doma (19. Oktober), dessen Roman Der Weg der Wünsche ebenfalls auf der Buchpreis-Longlist steht, und ein Vortrag des Kieler Literaturprofessors Bernd Auerochs zu den autobiografischen Bezügen im Werk der Lyriker Paul Celan und Nelly Sachs (9. November).

 Damit ist allerdings noch längst nicht Schluss in dem starken und ungewöhnlich international besetzten Leseherbst, den das Literaturhaus im Alten Botanischen Garten geplant hat. Der französische Romancier und Goncourt-Preisträger Mattias Enard kommt mit dem Roman Kompass, der die lange Passion des Westens für den Orient thematisiert und einen Forscher in Erinnerungen an Aleppo und Damaskus schwelgen lässt (31. Oktober). Die Ukrainerin Marjana Gaponenko erzählt in Das letzte Rennen nicht nur von Pferden und Menschen, sondern zeichnet auch ein skurriles Porträt der gehobenen Wiener Gesellschaft (1. November). Und der US-Erzähler und Essayist Joshua Cohen, der auch Komponist ist, wird seinen furiosen Künstlermonolog Solo für Schneidermann vorstellen (15. November).

 Dass sich dabei auch unterschiedlichen Seminare der Philosophischen Fakultät der Kieler Uni engagieren, freut Literaturhausleiter Sandfuchs besonders: „Wir haben diesmal sehr viele Anreger, Unterstützer und Kooperationspartner – von Robert-Bosch-Stiftung und Centre Culturel Francais bis zur Uni.“ Neben Anglisten, Romanisten und Literaturwissenschaft ist auch die Skandinavistik dabei, wenn die Schwedin Ann-Marie Ljungberg am 24. November aus ihrem Rechercheroman Dunkelheit bleib bei mir über den größten Terroranschlag während des Zweiten Weltkriegs in Schweden liest.

 Nebenbei pflegt man im Literaturhaus Kontinuitäten. Neben Gerbrand Bakker, der einst zu den ersten Gästen beim Festival des Debütromans gehörte, sind auch Enard oder Ursula Gräfe Wiedergänger in Kiel. Die Japanisch-Übersetzerin stellt Durian Sukegawas Buch Kirschblüten und rote Bohnen vor, dessen Filmfassung bereits 2015 in Kiel im Kino lief. Und der norwegische Krimi-Autor Ingvar Ambjörnsen liest aus Aus dem Feuer – einem Roman über einen norwegischen Krimi-Autor.

 Die Leselounge, die sich traditionell der jüngeren Literatur widmet, konzentriert sich ganz aufs Hörerlebnis, wenn am 2. November die Lyrikerin Ulrike Almut Sandig und Theaterautor Jakob Nolte (Das Tierreich) zusammen mit einem Musiker auftreten. Martin Lechner, der schon mit seinem Romandebüt Kleine Kassa in Kiel war, lädt dann am 7. Dezember mit Nach 125 Weltmeertagen zur Reise in fremde Gewässer. Mit dabei ist Isabelle Lehn, die mit ihrem Roman Binde zwei Vögel zusammen im Sommer auch beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt angetreten war. Zwei Lokalmatadoren widmet das Literaturhaus außerdem ab 8. November die zweite Ausstellung: Die Illustratorin Shyan Siow und Clemens Böckmann, beide Muthesius-Absolventen, stellen zur Eröffnung ihr in der Büchergilde Gutenberg erschienenes Bilderbuch vor – und erzählen davon, wie sich ein Elefant in ein norddeutsches Dorf verirrt.

 www.literaturhaus-sh.de

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