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Lübecker Theater bringt Thomas Manns "Felix Krull" auf die Bühne

Thomas Manns „Felix Krull“ als unterhaltsame Revue im Lübecker Theater Lübecker Theater bringt Thomas Manns "Felix Krull" auf die Bühne

Nach

Buddenbrooks und

Zauberberg nun also

Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull: Am Theater Lübeck wurde Thomas Manns Fragment gebliebener Roman in der Bühnenfassung und Regie von Michael Wallner uraufgeführt.

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Lübeck. Das Premierenpublikum zeigte sich angetan: Die Geschichte vom jugendlichen Herzensbrecher und Blender erzählt Wallner als unterhaltsame Revue und hat sie zugleich um eine Deutungsebene bereichert: Thomas Mann steht als Alter Ego seines Helden mit auf der Bühne.

„Nachts wehte der Sturm mir ein paar Hosen vom Balkon... Ausgeschlossen, dass ich das Buch je bewältige.“ Zweifel stehen am Beginn dieser „Bekenntnisse“, notiert von Thomas Mann während er den vor 40 Jahren begonnenen Roman zu vollenden sucht. Sven Simon spricht diese Sätze als der 80-jährige Literat, aber er ist auch der gealterte, zurückblickende Felix Krull, das fantastische Wunschbild Manns, wie seine Exegeten sagen - eine gelungene, dramaturgisch spannende Verschmelzung beider Gestalten. Denn dieser Erzähler führt Zwiesprache mit seinem zweifach jüngeren Ich. Wallners Inszenierung verbindet den Humor der Scharade mit der Melancholie der Altersbeichte und trifft damit den Nerv des Romans.

Auf die Bühne des Großen Hauses hat Heinz Hauser ein Bett, einen durchscheinenden Spiegel, eine langgezogene Rampe und einen Fahrstuhl gebaut - ein etwas wirres Bild, in das ein Netz aus elastischen Schnüren visuell Ordnung und Tiefe bringt. In den schnurgeraden Linien verheddert sich der „bürgerliche Nichtsnutz“ Krull immer wieder, während er wie in einer Revue - an verschiedenen Stationen sogar mit Gesang - von einem Schauplatz und einer Begegnung zur nächsten wechselt. Vom Auftritt des „Operetten-Lieblings“ Müller-Ros (Joe Turpin) als Schlüsselerlebnis der Kindheit geht es zur Musterung, dann nach Paris und in die begierigen Hände der Damen wie der Klosettschüsselfabrikantengattin Madame Houpfl (großartig auch als Madame Kuckuck: Ulrike Knospe), der Chanteuse Zaza oder der liebreizenden Zouzou (vollendet verführerisch in beiden Rollen: Sina Kießling). Aber auch Männer wie der einsame Lord Kilmarnock (Jörg-Heinrich Benthien) vergucken sich in den hübschen Jungen.

Dem gibt Jörn Kolpe das richtige Maß an Lässigkeit, natürlicher Eleganz und Unbedarftheit und lässt ihn überzeugend vom Sohn eines bankrotten Schaumweinfabrikanten zum Galan, Lebenskünstler und Marquis aufsteigen. Diesem Hochstapler des Fin de Siècle (zeitgemäß die Kostüme von Tanja Liebermann) traut man weitere Abenteuer zu. Doch die hat Thomas Mann nicht mehr zu Papier gebracht.

www.theater-luebeck.de

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