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Abgründe mit Sebastian Krämer

Lutterbek Abgründe mit Sebastian Krämer

Was kann man gegen die Widrigkeiten des Lebens schon ausrichten? Vielleicht Lieder singen – Lieder wider besseres Wissen? So hat Sebastian Krämer jedenfalls sein neues Programm getauft, das im Lutterbeker am Freitag Vorpremiere hat. Wider besseres Wissen, das heißt doch eigentlich: Der Mann kann gar nicht anders. Und irgendwie würde das auch passen zu Sebastian Krämer. Von Beate Jänicke

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Schwer vermittelbar in eine einzige Genre-Schublade: Sebastian Krämer.

Quelle: David Oliveira

Lutterbek. Der in seinen vorigen Programmen schon mal die Schule der Leidenschaft beschwor oder auch Schlaflieder zum Wachbleiben, sein letztes Album taufte er wiederum schlicht Tüpfelhyänen. Einer, der schwer vermittelbar ist in eine einzige Genre-Schublade. Dazu passt auch, dass der Berliner schon Preise für Kabarett, für Chanson, für Kleinkunst und für Poetry Slam gleichermaßen gewann. Eine Art Universal-Bühnenschaffender also.

 Nachdem er sich mit dem Tüpfelhyänen-Album den Fallstricken des Denkens und Handels widmete, knöpft er sich diesmal die „schwadenumwobenen Abgründe einer romantischen Weltsicht“ vor. „Romantische Studien im Selbstversuch – ein Gegenprogramm zu Einsicht und Vernunft“ lautet der Untertitel seines neuen Programms, das er gerade auch als Album aufnimmt.

 Wer Krämer schon mal erlebt hat, wenn er am Klavier die Dinge singend im Scheinwerferlicht hin und herrückt, der ahnt, auch diesmal wird es nicht ohne ironische Blessuren abgehen. Die „romantische Weltsicht“, sie kann einem jetzt schon ein bisschen leid tun. Andererseits ist Sebastian Krämer ziemlich sicher auch diesmal wieder für gleich mehrere überraschende Kehrtwenden gut. „Dieser Mann zieht das Florett dem Schwerte vor und beherrscht es so elegant, dass er immer tödlich trifft“, schrieb die Tageszeitung taz über ihn und legte nach, er sei eine „Ausnahmeerscheinung auf deutschen ,Klein’kunstbühnen“. Was nicht zuletzt daran liegen mag, dass sich bei ihm weder Text noch Musik einander unterordnen. Beide kommen qualitativ zu ihrem Recht und ergeben zusammen eine Einheit, die mit Musikkabarett nur unzutreffend beschrieben ist, aber auch nicht das übliche Klischee-Bild des zartbesaiteten Chansonniers bedient.

 Obwohl die Duden-Erklärung zum Begriff Chansonnier eigentlich vollkommen auf ihn zutrifft: Er ist ein Dichter und ein Sänger gleichermaßen, aber eben anders, als man das gemeinhin erwartet. Wortvirtuoser, schärfer, origineller. Dass er sich zudem dem allzeit plappernden öffentlichen Diskurs über diesen und jenen Aufreger, der gerade mal wieder medial herumgereicht wird, verschließt und lieber eigene Akzente und Themen setzt, macht einen da nur umso neugieriger.

 Vorpremiere am Freitag, 21 Uhr, Lutterbeker

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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