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Baustelle am magischen Ort

Lutterbeker Baustelle am magischen Ort

Drei Jahre ist es her, dass Linn Marx den Plan schmiedete, einen Film über den Lutterbeker zu machen. Jene Kulturkneipe, die seit 40 Jahren in der Lutterbeker Dorfstraße von ihren Eltern Strupp und Wolfgang Marx betrieben wird. Jetzt steht die Premiere an.

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Setzt ihrem Elternhaus, dem Lutterbeker, ein filmisches Denkmal: Linn Marx.

Quelle: Björn Schaller

Lutterbek. Pünktlich zum runden Geburstag feiert die schlicht Lutterbeker – Der Film getaufte, 96-minütige Dokumentation am kommenden Mittwoch Premiere – natürlich im Lutterbeker. Drei Tage später steht er bei den Nordischen Filmtagen (4. bis 8. November) in Lübeck im Filmforum auf dem Programm.

„Das Konzept war, dass ich mit den verschiedenen Teilen baue“, sagt Linn Marx, die auch ausgebildete Fotografin ist. Die Teile, das sind vor allem Filme, Fotos, Interviews aus der hauseigenen Sammlung. „Es war wie ein großes Puzzle. Damit kannte ich mich aus, das war der letzte Film auch schon.“ Gemeint ist ihr filmisches Debüt Heinz Ratz: Der moralische Triathlon über den Kieler Musiker und Aktivisten Heinz Ratz. Aber beim Lutterbeker-Film sei die Masse des Materials noch viel größer und die Auswahl entsprechend schwer gewesen.

Hinzu kam, dass die Puzzleteile im ganzen Haus verstreut lagen. Die von Strupp geschossenen Fotos. Auch die Filme, die Wolfgang Marx schon früh bei Künstlerauftritten mitgeschnitten hatte: „Seit Anfang der 80er“, erzählt Linn Marx, „so genau wissen wir das nicht“. Natürlich hätte ihr Vater auch gern einige seiner persönlichen „Goldstücke“ im Film untergebracht, aber das habe halt nicht immer gepasst. Eines der Hauptprobleme sei es gewesen, die Rechte für die Verwendung der Mittschnitte und Fotos im Film zu bekommen. „Die machen uns bis heute wahnsinnig“, sagt Linn Marx, „wir mussten Hunderte von Verträgen mit den Agenturen, Bands, Komponisten, Fotografen machen. Eigentlich verrückt, bei einem so kleinen Film.“ Aber sie habe während der ganzen Produktionszeit immens viel Hilfe gehabt.

„Es fließt schon, aber einen ganz deutlichen roten Faden gibt es in dem Film ja nicht“, sagt Linn Marx. In den Interviews kommen gleichgewichtet Künstler – prominente wie Ina Müller und Gerburg Jahnke und weniger bekannte – ebenso zu Wort wie Linns Eltern, Strupps Mutter, Tresenkraft Gesche oder auch ein Trio von Stammgästen. Nur deren Antworten sind zu hören und die Befragten immer am selben Platz zu sehen. Die starre Einstellung erleichtert die Orientierung; außerdem sollten so auch die Räume im Lutterbeker ins Licht gerückt werden.

Die „ewige Baustelle“ (Linn Marx) Lutterbeker musste in der filmischen Collage ebenso eine Rolle spielen wie die These, der Dorfkrug stehe auf einem „magischen Platz“ – für Wolfgang Marx noch einmal fokussiert auf einen bestimmten Punkt auf der Bühne, an dem die Künstler immer ganz besonders aus sich herausgingen. Gesche allerdings, die resolute Kellnerin, sagt im Film, das sei Quatsch: keine Magie, alles harte Arbeit.

Geschickt montiert Linn Marx in ihrem sehenswerten Dokumentarfilm Erzählungen zur Geschichte des Lutterbekers thematisch mit den Konzertmitschnitten, lässt die Sänger quasi in ihren Texten das Erzählte kommentieren, oft mit einem Augenzwinkern eingesetzt. Lobenswert, dass sie es trotz ihrer engen Verbundenheit mit dem Lutterbeker hingekriegt hat, aus dem Film keine Verklärung oder gar Huldigung zu machen, sondern einen interessanten und sehr unterhaltsamen Blick auf einen ganz besonderen Ort.

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Ein Artikel von
Thomas Bunjes
Kulturredaktion

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