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Sweeney, Wagner und ein Glas Schwärze

Lyrik im Literaturhaus Sweeney, Wagner und ein Glas Schwärze

Als eingespieltes Doppel erwiesen sich der irische Dichter Matthew Sweeney und sein Übersetzer Jan Wagner bei der Lesung im Literaturhaus in Kiel. Übrigens bereits die zweite - vor rund 10 Jahren waren die beiden schon einmal hier.

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Büchner-Preisträger Jan Wagner (li.) übersetzt die Gedichte des irischen Lyrikers Matthew Sweeney.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. „Meine Gedichte haben zwei Leben“, sagt Matthew Sweeney im Literaturhaus in Kiel, „eins für die Augen und eins für die Ohren.“ Tatsächlich laufen sie wie Kurzfilme vor dem inneren Auge ab, und der Soundtrack klingt im Kopf schon mit, verwebt sich mit Sweeneys knorrig wogendem irischen Englisch, das die Worte wie in Wellen voranträgt. Die Vogelpoesie, das sich in den Schlaf bohrende Surren von Rotorblättern, Pferde, die lupenreines Irisch sprechen ...

Der irische Dichter ist mit seinem Übersetzer, dem Büchner-Preisträger Jan Wagner, nach Kiel gekommen, um den gerade erschienenen Lyrikband "Hund und Mond"(Hanser Berlin) vorzustellen. Ein eingespieltes Doppel, das mit sichtlicher Lust am Klang der Sprache liest und sich beschwingt zwischen Deutsch und Englisch darüber austauscht.

So flirren die Gedichte zwischen saftig bodenständig und nebelhaft entrückt: „nature morte. Vögel und Teller, sonst nichts, / und nur ein paar Farben mehr als in Wirklichkeit. // Und anschließend schüfe ich das lange, schmale Abbild dreier / Brote, staunenswert blau von Schimmel, alle aus Roggen.“ Und im Gedicht Würstchen hebt das lyrische Ich „ein Glas Schwärze“ auf den Großvater. Als wenn Sweeney hier und da einen Baustein verschiebt, so beschreibt Moderatorin Sara Dusanic vom Literaturhaus seine unverwechselbare Lyrik: „Und schon ist man in einer anderen Welt.“

Immer wieder scheinen die Zeilen ins Schweben zu geraten, aus dem Tag heraus in eine andere Realität. Wenn der Hund beim Versuch, den Mond zu beißen in einen Fluss fällt. Oder die Fischer von Donegal nicht schwimmen können. „Am Anfang ist immer ein Bild oder ein Wort“, erzählt Sweeney augenzwinkernd, „aber nie eine Idee.“

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