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Dramatische Höreindrücke

Maiken Nielsen bei Hugendubel Dramatische Höreindrücke

Als Fortsetzungsroman wird Unter uns die Welt seit sechs Wochen in dieser Zeitung abgedruckt. Im Buchhandel ist Maiken Nielsens Geschichte über ihren Großvater Christian, der die Explosion des Luftschiffs „Hindenburg“ im Mai 1937 in Lakehurst überlebte, seit Ende September zu bekommen.

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Bot Einblicke in ihre Familiengeschichte und ein Zeitgemälde der Epoche zwischen zwei Weltkriegen: Autorin Maiken Nielsen.

Quelle: ehr - Marco Ehrhardt

Kiel. Jan Behrens von der Buchhandlung Hugendubel konnte also mit einem gut bestückten Büchertisch aufwarten, als er die Rundfunkjournalistin aus Hamburg am Donnerstag zur Lesung in der Holtenauer Straße begrüßte. Als Mischung aus Abenteuerroman, Liebesgeschichte und Biografie pries der Filialleiter das seitenstarke Buch, das gleichzeitig als Zeitgemälde einer Epoche zwischen zwei Weltkriegen gelesen werden kann und für dessen Recherchearbeit die Autorin tief in die (Familien-)Geschichte abgetaucht ist. Zur Einstimmung hatte die Tochter einer Kapitäns- und Lotsenfamilie in Övelgönne ein paar Fotos mitgebracht. Ein wenig schüchtern lächelt der junge Christian hier in die Kamera, nicht ahnend, dass er dem Tod in kurzer Folge mindestens zweimal von der Schippe springen wird: Mit 19 überlebt er als Matrose den Untergang eines Frachtschiffs vor Kap Hoorn, acht Jahre später als Navigator der „Hindenburg“ deren spektakulären Untergang.

 „Vielleicht war er ein wenig wie Onkel Peer, den der Tod nicht finden konnte“, heißt es an einer Stelle im Buch – der Onkel aus Keitum hatte gleich mehrere lebensgefährliche Situationen schadlos überstanden. Mit Verweisen auf die Familie spart Nielsen nicht in ihrer Textauswahl. Schließlich sitzt ihr Vater im Publikum, der sie bei der Recherche tatkräftig unterstützt hatte. Vom Tagträumer Christian liest sie auch, der sich schon als junger Seemann an Bord der schimmernden Zeppeline sehnt. Und von seiner Liebe zu der Journalistin Lil Kimming, mit der er eine wunderbare Woche auf Hawaii verbringt. Die Figur der Geliebten ist fiktiv, die Wahrscheinlichkeit einer solchen Liebesgeschichte nicht. „Viele Leute fragen sich vielleicht, wie ich es meiner Großmutter antun konnte, ihr eine Nebenfrau anzudichten.“ Ihr Vater habe diese Möglichkeit für sehr plausibel gehalten, nachdem ihm ein Kamerad ihres Großvaters erzählt hatte, dass dieser in seiner Ehe unglücklich war und sich scheiden lassen wollte. Bei dem Kameraden handelt es sich übrigens um Eduard Boëtius, wie Nielsen Überlebender der Hindenburg-Katastrophe, dem dessen Sohn Henning 2000 den Roman Phönix aus der Asche widmete.

 Mit der Schilderung der Explosion des Luftschiffs klingt die Lesung aus. „Haben Sie vielleicht noch Fragen?“, wendet sich Maiken Nielsen freundlich an ihr Publikum. Doch nach diesen dramatischen Höreindrücken herrscht hier betroffenes Schweigen.

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