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Zwischen Justin Bieber und Taliban

Malala im Werftparktheater Zwischen Justin Bieber und Taliban

Auf den Spuren der Friedensnobelpreisträgerin: Astrid Großgasteigers „Malala“ zeigt im Werftpark-Theater eine Geschichte jenseits des Heldenepos.

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Malala feierte Premiere im Werftparktheater.

Quelle: Theater Kiel

Kiel. „Ich geh‘ voll gern in die Schule! Wirklich!“ So einen Satz muss man dem europäischen Normalschüler erstmal begreiflich machen. Das Mädchen auf der Bühne aber meint es ernst - das sieht man daran, wie sie mit wildem Blick ihr Gegenüber fixiert. Und man hört es am Tonfall ihrer Stimme: herausfordernd, trotzig, bestimmt.

Malala heißt das Mädchen, das Annegret Taube im Werftpark-Theater auf die Bühne bringt. Und die erzählt erstmal von ihrer Kindheit im Norden Pakistans mit dem wilden Fluss Swat, den grünen Bergen und den bunten Früchten im Tal. Auch die Freundinnen in der Mädchenschule und die nervigen kleinen Brüder gehören dazu. Farbig und anfassbar wie im Märchenbuch klingt das in der Darstellung von Annegret Taube, die in den 55 intensiven Minuten des Stücks vieles ist – titelgebende Protagonistin, Märchenerzählerin und eine Handvoll Nebenrollen, die es braucht, um Malalas Geschichte zu erzählen.

Den Spielraum hat Regisseurin Astrid Großgasteiger auf die Hinterbühne verlegt, mit einer Bretterwand (Bühne: Eva Musil), die Verdunkelung spielt und von der sich drei Silhouetten abheben. Schatten wie Zielscheiben. So sieht sich das auf der Bühne direkt davor platzierte Publikum direkt konfrontiert. Hier wir, da das ferne Mädchen, auf das die Taliban geschossen haben. Das in Pakistan Reden hielt und für das hier selbstverständliche Mädchen-Recht auf Bildung und Schule bloggte. Und das dafür 2014, zwei Jahre nach dem Anschlag, den Friedensnobelpreis erhielt. Da war sie 17.

Nach den autobiografischen Aufzeichnungen von Malala Yousafzai hat der Autor Flo Staffelmayr das Monologstück geschrieben, das Astrid Großgasteiger erst in Salzburg und nun in Kiel inszeniert hat. Und es tut der Geschichte gut, wie Text und Regie den leicht altklugen, zuweilen ins politisch Floskelhafte lappenden Ton der Buchvorlage aufbrechen.

Auch Annegret Taube ist weit davon entfernt, ein ungebrochenes Heldenbild auf die Bühne zu meißeln. Ihre Malala ist ein Mädchen, das viel zu früh aus der Kindheit geworfen wird, und trotzdem wie viele von Vampire Diaries und Justin Bieber schwärmt. Agil macht sie das Flirren auf dem Basar lebendig. Aufmüpfig komisch kommt sie von der paschtunischen Gastfreundschaft auf die Erfindung der Burka. Erfrischend unverstellt pendelt sie zwischen der Unbegreiflichkeit der Taliban und einer Mädchenwelt, wie sie auch hierzulande existiert.

So kommt dem Publikum nicht nur die Person, sondern auch ihre ferne Welt nah. Wieviel von der realen Malala Yousafzai in der Figur steckt, ist dabei gar nicht wichtig. Stattdessen sieht man, wie die Unbefangenheit der Kindheit verloren geht und wie die Welt zusammenschnurrt, als erst die Musik verboten wird und bald nur noch Männer mit Bärten und langen Haaren die Straßen bevölkern.  

Am Schluss geht dann alles sehr schnell, Schüsse, Rettung, Friedenspreis. Aber bevor auch der Ton sich im Staatstragenden der Politik einrichten kann, ist das Stück vorbei. Und was von dem mit viel Applaus bedachten Abend hängen bleibt, ist das Bild eines fast normalen Mädchens, das erlebt, wie seine Welt erstickt. Und dagegen hält.

Malala

Theater im Werftpark. 1., 11., 17., 22. November; 2. Dezember. Kartentel. 0431/901901, www.theater-kiel.de

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