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Der Farbstrudel nach dem Zusammenprall

Marcel Große im Kunstraum B Der Farbstrudel nach dem Zusammenprall

Unter dem Motto b-fragt stellt der Kunstraum B bis zum Jahresende Künstler in den Mittelpunkt, die ihre Arbeit bedingungslos hinterfragen und einen extremen Ansatz verfolgen. Marcel Große ist für dieses neue Ausstellungskonzept bestens geeignet.

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„Wozu der Aufwand?“ fragt Marcel Große im Kunstraum B – und scheut ihn in seiner Arbeit „Beschleuniger“ sichtbar nicht.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Der in Halle/Saale geborenen Künstler bewegt sich in seinen Installationen zwischen Wissenschaft und Kunst und baut komplizierte Apparaturen, die zu erstaunlichen malerischen oder grafischen Resultaten führen. Wozu der Aufwand? lautet die Frage, die er sich selbst oft stellt und der Schau den Titel gibt. „Es gibt immer mal Tage, an denen nach riesigem Versuchsaufbau nichts so funktioniert wie gedacht“, erzählt der 34-Jährige, der in Nürnberg studiert hat und heute in Hamburg lebt. „Doch es lohnt sich immer, diese langen Wege zu gehen. Manchmal kommt man zu ganz anderen Ergebnissen, als geplant.“

 Ein Teilchenbeschleuniger ist die Inspirationsquelle für seinen Beschleuniger. In der abenteuerlichen Konstruktion rasen in luftiger Höhe zwei raketenbetriebene Wagen aufeinander zu, die mit je einem ausgeblasenen Hühnerei bestückt sind. Beim Zusammenprall, der als eine Art Urknall verstanden werden kann, platzen die mit Ölfarbe befüllten Eier und die Farbe tropft unkontrolliert in vier Wasserbecken am Boden. Wenn der Raketenqualm sich verzogen hat und die Wasseroberflächen wieder unbewegt sind, nimmt Große die Farbe mit Papierbögen auf. Die so entstandenen Bilder sind analoge Speicher einer Versuchsreihe und zeigen flächige Farbstrudel, Punkte oder Wirbel in unvorhersehbarer Verteilung. „Wenn man die Apparatur per Knopfdruck in Gang gesetzt hat, kann man nichts mehr beeinflussen“, sagt Große. Turntable ist daneben eine verblüffend duftige grafische Reihe als Ergebnis einer raffinierten Konstruktion aus rotierendem Kugelschreiber und Drähten, ohne Vorführeffekt.

 Die Reihe „b-fragt“ ist auf insgesamt neun Teile ausgelegt. Die Initiatorinnen Ute Diez und Chili Seitz planen einen zusammenfassenden Katalog. sth

 Wilhelminenstraße 35. Eröffnung heute, Mittwoch, 18 Uhr. Bis 19.3. Do-Sa 15-18 Uhr

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