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Unterwegs im rauesten Kiez der Stadt

Marek Erhardt im Kulturforum Unterwegs im rauesten Kiez der Stadt

Sie rufen sich „Taxi“ oder „Pinsel“, und sie sind als Zivilfahnder dort im Einsatz, wo Hamburg am härtesten ist: In Billstedt, wo Drogenhandel, Gewalt und Diebstahl immer wieder für Polizeieinsätze sorgen. Der Schauspieler Marek Erhardt hat für eine Fernsehrolle Zivilfahnder begleitet und aus seinen Erlebnissen ein spannendes Buch gemacht.

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„Ich wollte immer Polizist werden“: Schauspieler Marek Erhardt las aus seinem spannenden Buch „Undercover“.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Am Dienstag wurde Undercover (Ullstein Verlag) im Kieler Kulturforum vorgestellt. „Ich wollte immer Polizist werden“, sagt Erhardt zu Beginn und fügt hinzu: „Aber nur im Fernsehen wird der Täter nach 45 Minuten geschnappt.“ Der nicht zuletzt als Oberkommissar Olli Kottke aus Da kommt Kalle bekannte Darsteller nutzte ein Rollenangebot als Zivilfahnder, um eine entsprechende Hospitanz abzuleisten. Fasziniert von der Professionalität der Beamten, begleitete Erhardt die zwischen Gelassenheit und Jagdfieber pendelnde Truppe schließlich zwei volle Jahre lang. Da er dabei nicht selten von Streifenwagen zu Streifenwagen „weitergereicht“ wurde, lautete sein Rufname schnell „Päckchen“. Tatsächlich verbergen die Rufnamen die tatsächliche Identität der Fahnder und werden nicht ohne ironischen Hintersinn zugesprochen – „Oskar“ zum Beispiel heißt so, weil er bei einem Einsatz auf dem Dach einer Kindertagesstätte in einer Tonne für Windeln gelandet ist: „Da haben die Kollegen dann fleißig Fotos mit ihren Smartphones gemacht.“

 Im Mittelpunkt der Lesung steht die Jagd nach einem Brandstifter, bei der Erhardt „von Anfang bis Ende“ komplett dabei gewesen ist. In Billstedt werden regelmäßig Wagen „abgefackelt“, doch der Täter – Pyromanen sind fast ausschließlich männlich – lässt sich nicht ermitteln. Weder Spürhunde noch verstärkte Observation helfen weiter; ein erster Verdächtiger stellt sich als unschuldig heraus. Wochen verstreichen, ohne dass sich Erfolge einstellen wollen. Bis der Täter einen Pizzawagen in Brand steckt und dabei von einer Kamera aufgenommen wird. Er hat einen Hund bei sich …

 Marek Erhardt ist unterdessen „Ehrenkommissar“ der Stadt Hamburg geworden und lässt sich immer noch zwei bis dreimal im Monat bei Einsätzen mitnehmen. Doch auch privat hält er die Augen offen – erst vor wenigen Tagen gelang es ihm, die Polizei auf zwei rumänische Autoknacker hinzuweisen, die ihm beim abendlichen Spaziergang aufgefallen waren: „Da muss man einfach mal auf sein Bauchgefühl hören.“

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Ein Artikel von
Kai U. Jürgens

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