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Balladen und Kopfnicker

Maria Baptist Trio im Kultur-Forum Balladen und Kopfnicker

Zuletzt bewies Jazzpianistin Maria Baptist 2014 im Kultur-Forum, dass es für einen starken Abend nicht mehr als sie und einen Flügel braucht. Noch mehr aber ist die Ost-Berliner Musikerin für das Spiel mit ihrem Trio bekannt, so dass dessen Auftritt am Mittwoch eine schöne Ergänzung zum letzten Konzert bietet.

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Gut aufgehoben in ihren Sounds: das Maria Baptist Trio im Kultur-Forum Kiel.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Erklärtermaßen möchte die Berliner Jazzprofessorin in dem Konzert eine kleine Werkschau ihrer letzten CDs präsentieren. Dass dies ein lohnendes Unterfangen ist, beweist bereits der Song Minotaurus. Baptist zeigt sich dabei am Flügel ebenso lyrisch wie dynamisch, auch der spontan engagierte Drummer Dimitris Christides steigt zunächst mit den Besen ein und wechselt dann offensiv zu den Sticks. Der kontinuierlich komplexe Sound des hörbar an Polyrhythmikern wie Elvis Jones und Tony Williams geschulten Schlagzeugers erhöht deutlich den Energielevel des Trios, durch dessen kammerjazzig angelegtes Klangbild so auch immer ein paar Funken fliegen. Bassist Ralph Graessler, festes Mitglied, vermittelt dabei sehr harmonisch zwischen Klavier und Drums, zupft und streicht seinen Bass pointiert, so dass bereits nach dem ersten Song erstaunlich viel passiert ist.

Der Flügel im Zickzack-Kurs

Mit Gate 29 folgt eine in Musik verwandelte Erinnerung Baptists an eine Irrfahrt auf dem Pariser Flughafen. Im Zickzack-Kurs bahnt sich ihr Flügel hier seinen Weg von Gate zu Gate, wird dabei immer hektischer, brummelt verzweifelt, bis Christides die Spannung mit einem balancierten Drum-Solo auflöst. Schon nach diesen beiden Stücken ist man beeindruckt, wie wohlplatziert in diesem Trio jeder Ton wirkt, wie gut durchstrukturiert Maria Baptists Kompositionen sind – und wie stimmig die Dramaturgie des Konzerts angelegt ist. Das nächste Stück As Long As We Are Searching ist eine am Klavier wunderbar sanglich entwickelte Ballade, deren Motiv Baptist zunächst in verschiedenen Schattierungen präsentiert, um von dort aus eine elegante Improvisation zu starten. Schön, dass sie dabei jeder Note genügend Raum lässt, so dass ein Air von Stille um die Musik entsteht. Schön auch, dass Baptist und Christides dann in einen kleinen Binnendialog einsteigen, der diesem seelenvollen Song zusätzlichen Reiz verleiht.

Und dann der Kopfnicker

Es folgt ein echter Kopfnicker im Mid-Tempo: Von energisch raschelnden Jazz-Besen bestimmt nach vorne getrieben, könnte Longing auch aus den Fünfzigerjahren stammen, erinnert an pianistische Traditionspfleger wie Bill Charlap und mündet dann in die nächste Ballade Cloud 9. Der Mix bleibt über zwei komprimierte Sets hinweg stimmig und man ertappt sich immer wieder bei dem Gedanken, dass hier alles genauso klingt, wie es bestenfalls klingen kann. Mit Goodbye schickt das Maria Baptist Trio seine begeisterten Zuhörern auf den Heimweg. Es bleibt die Vorfreude aufs nächste Wiedersehen.

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