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Schöne Lieder, schlimme Dinge

Marie Danielle im Prinz Willy Schöne Lieder, schlimme Dinge

Ein Klischee sagt, nur Leid könne große Kunst gebären. Frappierend offenherzig erklärt Marie Danielle während ihres Konzerts im gut besuchten Prinz Willy, ihr Debütalbum sei das Resultat einer „schlechten Beziehung“: Ihr Freund habe sie eines Nachts beinahe umgebracht.

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Sang Americana und Folk mit klarer, warmer, ein wenig mädchenhafter Stimme: Marie Danielle.

Quelle: Manuel Weber

Kiel. „Wir sind jetzt gute Freunde, was bizarr ist“, sinniert sie vor dem zweiten Teil ihres Konzerts und klemmt den Kapodaster aufs Griffbrett ihrer Akustikgitarre. „Sorry, dass alle meine Songs so traurig sind.“

 Keine Ursache. Mögen ihre Lieder noch so traurig sein: Deprimierend oder gar weinerlich klingen sie nicht. Americana-Folk-Balladen, fast alle getragen, kaum eine im schnelleren Tempo wie das folk-basiert walzernde Hustler. Titletrack ihres Albums, den sie etwas höher, etwas kräftiger und nachdrücklicher singt als die anderen Songs. Mit einer Stimme, die klar und warm ist, mit angenehm kühlen Rändern, und die manchmal ein wenig vibriert. Die trägt solide, mutet ein wenig mädchenhaft an und passt gut zu diesen schlichten, reifen Stücken. Worauf sich das Publikum sichtlich einlässt, schweigend, gefangen. Das sei ihre erste Tour durch Deutschland, erzählt Marie Danielle. Die Leute hier schätzten Musik, hat sie den Eindruck. Anders als in den USA, dort lägen sie oft während eines Konzerts irgendwann besoffen in der Ecke.

 Tinseltown heißt einer der Songs, ein anderer Name für Hollywood, wo sie „unglücklicherweise“ lebe. Nun, wegziehen wäre ja eine Option, aber das mit dem Leid und der großen Kunst, das hatten wir ja schon. Letztlich, hat Marie Danielle in einem Interview gesagt, bleibe sie in Hollywood, weil es dort in LA mehr Leute gebe, die Musik machten als Leute, die Musik hörten. Einer, der ihre Musik hörte, war eines ihrer Idole, Simone Felice von der berühmten New-Folk/Rock-Band The Felice Brothers. Ihm hatte sie ein paar Demo-Aufnahmen geschickt, worauf er sie nach Woodstock einlud, um dort ihr erstes Album zu produzieren, zusammen mit dem Grammy-nominierten David Baron.

 The Felice Brothers begleiteten Marie Danielle dann auch bei einem Song auf der CD Soldier. „Das ist ein nicht so trauriger“, sagt Marie Danielle, bevor sie ihn im Prinz Willy spielt. Okay, der ist zwar tatsächlich fast schon uptempo, aber auch hier geht es um ein weniger angenehmes Thema, den „Krieg der Geschlechter“. Für eines ihrer schönsten Lieder, die elegische Klavierballade White Shoes, wechselt Marie Danielle an Willys geisterhaft hallendes Klavier. Die Tasten hätten auch einigen ihrer anderen melancholischen Lieder gut gestanden. Ein einziger Song, Dreary Head, erreicht nicht ganz die sonstige Qualität, er klingt etwas beliebig.

 „Ich verliere gerade ein wenig meine Stimme, aber ich habe noch ein paar Shows“, sagt Marie Danielle nach dem zehnten Lied, „daher ist dies mein letzter Song für heute.“ Das Publikum lässt sie ungern und mit kräftigem Beifall ziehen. Auf ihrer Facebook-Seite hat Marie Danielle übrigens kürzlich ein Zitat von Tom Waits veröffentlicht: „I like beautiful melodies telling me terrible things.“

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