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Wahre Jeschichten

Mario Barth in Kiel Wahre Jeschichten

“Männer sind schuld sagen die Frauen“ sagt Mario Barth in seinem neuen Programm. Der Berliner Komiker brachte im Rahmen seiner erfolgreichen Tournee auch in der ausverkauften Sparkassen-Arena seine Fans mit Geschichten um Mann, Frau, Freundin, Feng-Shui und Furzen zum Toben. Erste Vorstellung war am Sonnabend, am Sonntag findet eine zweite statt.

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Seine Komik zieht Barth eh weniger aus Inhalten als vielmehr aus seiner sehr wandlungsfähigen Mimik und Stimme sowie der Fähigkeit, blitzschnell die Seiten zu wechseln und in seine Figuren zu schlüpfen.

Quelle: Boysen

Kiel. Vier Trucks stehen vor der Halle, denn der Comedy-König reist mit üppigem Bühnenbild. Der U-Bahnhof „Kennste-Kennste-Allee“ ist Schauplatz der Show und tatsächlich fährt ein U-Bahn-Waggon ein, dem nebelumwabert Deutschlands Spaßvogel Nummer Eins entflattert. Großer Bahnhof quasi  für Mario Barth, der nach Schmeicheleien für Kiels Frauen eine seiner „wahren Jeschichten“ vorträgt. Seine Freundin, zentrale Figur in diesen Geschichten, ist offensichtlich nicht in der Lage, ein Jahr unfallfrei zu fahren. Es ist natürlich jedes Mal „sein“ Auto, das Schaden nimmt, warum sie sich kein eigenes anschafft, bleibt verborgen. Als „The Brain“ tituliert er sie, deren Diplom als „einziges beleuchtetes Bild“ in der Wohnung hängt. Im Mario-Land sind die Rollen klar verteilt: Sie kümmert sich um die Nahrungsmittel und die Einrichtung der Wohnung, er ist der Technik-Beauftragte und beruflich der Macher. „Je mehr Informationen wir Männer haben, desto besser können wir arbeiten“ und „Wir Männer strotzen vor Selbstbewusstsein“, weiß er zu berichten. Frauen wissen also mit einem Mehr an Informationen nichts anzufangen, oder wie? Egal, Analyse und Differenzierung würden das schwarz-weiße Kartenhaus schnell zum Einsturz bringen, denn so klar, wie er es gern hätte, sind Individuen nicht zuzuordnen.

Seine Komik zieht Barth eh weniger aus Inhalten als vielmehr aus seiner sehr wandlungsfähigen Mimik und Stimme sowie der Fähigkeit, blitzschnell die Seiten zu wechseln und in seine Figuren zu schlüpfen. Und er macht eben auch vor echtem Blödsinn keinen Halt, etwa wenn er Tiere vermenschlicht und sie das Geschehen kommentieren lässt.

Zudem gibt es im Programm auch amüsante Beobachtungen wie die, dass mit zunehmendem Alter das Tragen von Gegenständen oder das Aufstehen und Hinsetzen geräuschvoller vonstatten gehen, was er sehr witzig demonstriert. Wie sich im Laufe der Beziehungsjahre das Wecken des schnarchenden Partners vom Streicheln bis zum Faustschlag steigert, nimmt man ebenfalls schmunzelnd zur Kenntnis. Des Weiteren spielt er sprachlich gekonnt den Feng-Shui-Meister, der keineswegs der erwartete Chuck Norris, sondern ein kleinwüchsiger Sachse ist, der sich durch die Wohnung nuschelt, um Hündchen „Feedback“ zu therapieren.

Eine sichere Bank, wenn man es denn will, sind Tabuthemen wie das Furzen, das auch hier bei bloßer Erwähnung zu Lachanfällen führt. Dass die Geschichten aus dem Flugzeug oder dem Auto mit Kollege Paul Panzer weitgehend pointenfrei daher kommen, tut der Belustigung keinen Abbruch. Seine Strategie, Sachverhalte mantrenartig zu wiederholen und sich selbst kaum einzukriegen vor Lachen, funktioniert offenbar gut. Der erhobene Zeigefinger ist dabei stets im Einsatz, das dazugehörige „Pass auf!“ ebenso.

Der Versuch des Frauenverstehens, ohne von seiner kompromisslosen Haltung abzuweichen, die durch Statements wie „Entspann dich mal!“ oder „Janz wichtig: Fresse halten angesagt!“ mit Berliner Schnauze manifestiert wird, dieses Eine-Chefin-haben, aber eben doch cooler Macker zu sein, kommt zweifelsohne bei der Masse an. Es gibt keine Halle, die nicht Zusatztermine anbietet, um dem Ansturm Herr zu werden und am Pfingstwochenende soll im Berliner Olympiastadion ein Weltrekordversuch mit 100000 Zuschauern innerhalb 24 Stunden erreicht werden. Wird wohl klappen. Ein viertes Programm ist auch in Arbeit, Arbeitstitel „Männer sind bekloppt, aber sexy“. Alles beim Alten in Mario-Land.

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