17 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Mit Volldampf an die Schmerzgrenze

Martin Hermann Mit Volldampf an die Schmerzgrenze

Was treibt eine Frau aus der Stadt in die Arme eines Bauern auf dem Lande?  Warum gar hoffen TV-erprobte Städter inzwischen, eher eine Frau zu finden, wenn sie sich als Bauer verkleiden? Diesen und viele andere Mysterien unserer Zeit und Zeitgenossen kam der Kabarettist und selbsternannte „Frauenflüsterer“ Martin Herrmann mit seinem Programm Keine Frau sucht Bauer im anständig besuchten Lutterbeker auf die Schliche.
     

Voriger Artikel
Kreis Dithmarschen schert aus
Nächster Artikel
Tanzender Protest für mehr Menschlichkeit

Martin Hermann im Lutterbeker mit "Keine Frau sucht Bauer"

Quelle: Thomas Richter

Lutterbek. Dabei ersinnt der Mann mit dem „doppelt maskulinen Nachnahmen“ verblüffende Kausalitäten: „Die Scheidungsquote liegt in den Städten bei 50 Prozent. Nur auf dem Land herrscht Stabilität. Grund: keine Frauen. Die sitzen alle in der Stadt und lassen sich scheiden. Zudem ist der Bauer familienfreundlich. Wenn die Frau vom Gebären zu müde ist, trägt er sie auf Händen - zur Stallarbeit.“ Neben dieser modernen Variante des Bauernfangs beackerte Herrmann natürlich auch viele andere Felder, wobei er sich einiger lustig zweckentfremdeter Accessoires bedient.

Ums Haupt gewickelt wird ein einfaches Seil zum  „String-Kopftuch“, das auch in deutschen Schulen tragbar sei. In Zeiten der totalen Überwachung a la „Google Earth“ rettet ein simpler Sieb als Hardware-Verpixelung die Persönlichkeitsrechte. Ein ganz normaler Eierschneider mutiert bei Herrmann zur „tibetanischen Taschenharfe mit Schallloch“. Und der Kabarettist entlockt diesem Utensil mithilfe des Resonanzkörpers seiner Gitarre tatsächlich bizarre Klänge. Wenn der Mann, der nach eigenem Bekunden unter „Reimzwang“ leidet, dazu auch noch fernöstliche Glückskeks-Weisheiten der Marke  „Schwimmen dir die Felle furt – Wiedergeburt“ schmettert, geht’s mit wohl kalkuliertem Volldampf an die Schmerzgrenze. Wohl Niemandem aber bleibt dabei verborgen, dass Herrmann ein gewitzter und geschulter Musiker ist. Immer wieder greift er während des Abends zur Gitarre, und der geistreiche Wahnsinn seiner Lieder wie etwa das saukomische Schuldgefühle hat sowohl inhaltlich als auch sprachlich durchaus Methode.

Die großen Themen und Aufreger hat Herrmann ebenfalls auf der Agenda: NSA-Affäre samt Obama-Bashing, den BER, („In Berlin haben Unbekannte einen 30 Meter langen Tunnel gebuddelt und dann eine Bank ausgeraubt. Offenbar gibt es in Berlin Bauvorhaben, die gelingen.”) oder  Medizinskandale („Nach einer OP wurden im Patienten 16 Operationsbestandteile gefunden. Nadeln, Verbandsmaterial, Tupfer. Ein wesentlicher Faktor in der Bilanz einer Klinik sind anscheinend die gestiegenen Kosten der Müllentsorgung. Wenigstens haben keine Organe gefehlt.“) 
Das Publikum mochte die Verbal-Kapriolen und den witzig-verschlagenen Schabernack des Künstlers und erklatschte sich reichlich Zugaben. 

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3