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Im Glauben an die schöne neue Welt

Martin Walker Im Glauben an die schöne neue Welt

Martin Walker kennt man vor allem als Krimiautor und Erfinder des Polizisten Bruno, der in der Provinz ermittelt. Aus Provokateure, dem siebten Fall von „Bruno Chef de Police“, las er am Dienstag bei Hugendubel. Gleichzeitig ist ein Buch von ihm erschienen, das Walker von einer ganz anderen Seite zeigt.

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Martin Walker blickt optimistisch in die Zukunft.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Germany 2064 ist ein Science-Fiction-Roman und aktuell für den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis nominiert. Auch hier steht ein Ermittler im Zentrum der Handlung, der allerdings bei der Untersuchung des Falls von einem sehr menschlichen Roboter unterstützt wird. Rundherum entwickelt Walker ein gesellschaftliches, wirtschaftliches und politisches Zukunftsmodell Deutschlands und setzt sich mit vielen der heute dringendsten Probleme auseinander.

Herr Walker, nach sieben Fällen ihres Polizisten Bruno, haben Sie sich in Germany 2064 völlig anderen Themen zugewandt. Wie ist die Idee zu dem Roman entstanden ?

Ich habe von 2006 bis 2013 in den USA einen Thinktank geleitet, in dem wir uns unter anderem mit Zukunftsfragen der globalen Wirtschaft auseinandergesetzt haben. 2013 und 2014 haben wir uns in Deutschland getroffen und zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Vize-Kanzler Sigmar Gabriel und Vertretern der deutschen Industrie, Wirtschaft und Gewerkschaften getroffen, um über die Zukunft Deutschlands zu debattieren. Es ging dabei um die Infrastruktur, die Bevölkerungsentwicklung, die Zukunft des Bildungssystems und viele andere Fragen. Auch das Thema Robotik wurde besprochen. Der Roman beruht auf vielem, das wir dort besprochen haben.

Warum haben Sie einen Roman geschrieben und die Ergebnisse nicht als Sachbuch veröffentlicht?

Ein Freund, der auch Mitglied des Thinktanks war, hat mich auf die Idee gebracht. Er hat vorgeschlagen, dass ich einen Roman darüber schreiben könnte. Ich hielt das für eine interessante Herausforderung, weil ich noch nie einen solchen Roman geschrieben habe. Außerdem dachte ich, dass ich mit einem Roman mehr Leute erreichen kann und zum Denken anrege.

Wenn Sie einen Roman schreiben, wie gehen Sie dann vor? Haben Sie schon die Figuren im Kopf?

Das kommt alles gleichzeitig im Kopf zusammen, die Fragen, die Handlung und die Figuren. Bei Bruno habe ich immer schon meinen Helden, meinen kleinen Polizisten in Frankreich. Hier war das anders. Ich hatte zuerst das Thema: Ich wollte die Beziehung von einem Menschen zu einem Roboter beschreiben, und ich wollte einen Helden, der ganz eng mit Robotern zusammenarbeiten muss. Deshalb bin ich auf einen Polizisten gekommen.

Sie beschreiben in ihrem Buch die Zukunft als Idylle, in der viele der heutigen Probleme, wie etwa die Umweltverschmutzung, gelöst sind. Ist das Deutschland, was Sie beschreiben, ein besserer Ort?

Ja, ich bin sehr optimistisch. Was wir schon heute über Wind- und Solarenergie wissen, ist, dass sie immer billiger wird. Ich glaube auch, dass es bald möglich ist, Solarenergie in Batterien zu speichern. In Europa und Deutschland nimmt man die Umweltprobleme inzwischen auch immer ernster, deswegen blicke ich sehr zuversichtlich in die Zukunft. Ich bin kein Prophet. Aber ich hoffe, dass vieles so kommen wird.

In Germany 2064 haben die Menschen einen Chip implantiert, mit dem sie jederzeit zu orten sind und der viele persönliche Daten speichert. Glauben Sie auch, dass das so kommen wird?

Ja, das wird sehr, sehr schnell kommen. Wir haben jetzt schon Chips zur Empfängnisverhütung und auch Blutdruckmessgeräte werden immer kleiner. Solche Implantate erleichtern die Kommunikation mit dem Arzt und auch die Versicherung wird dann billiger. Als Kunde wird man dann die Wahl haben, einen Chip zu tragen und 10 Euro im Monat zu zahlen oder ohne Chip 100 Euro Versicherungsbeitrag.

Gab es literarische oder filmische Vorbilder für ihr Buch?

Nein, es gab keine Vorbilder. Aber ich lese und schaue sehr gerne Science-Fiction. Denn ich glaube, dass das eine Möglichkeit ist, fundamentale Dinge und Gedanken zu erkunden.

Bedeutet dieser Roman, dass sie sich von Bruno verabschiedet haben?

Nein, nein! Es wird jedes Jahr ein neues Bruno-Buch geben. Ich schreibe sehr gerne meinen Bruno, aber ich habe auch andere Interessen und Ideen. Und wenn mich etwas begeistert, dann will ich das auch machen.

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Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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