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Die Denkfehler der Menschheit

Matthias Brodowy im Lutterbeker Die Denkfehler der Menschheit

Es sind sowieso immer die anderen, die keine Haltung haben. Alle, die sich am heutigen Abend eine Karte für das politische Kabarett von Matthias Brodowy im gut gefüllten Lutterbeker gekauft haben, gehören zum erlauchten Kreis derjenigen, die „Haltung bewahren in einer Gesellschaft mit beschränkter Haltung“, so Brodowy eingangs.

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Bissig-scharfsinniger Beobachter gegenwärtiger Missstände: Matthias Brodowy.

Quelle: Tomas Rodriguez/hfr

Lutterbek. Wobei der Begriff Haltung dehnbar ist: Essenshaltung, Freilandhaltung, Körperhaltung... „Dank der Smartphones entwickeln wir uns wieder zurück zu gebeugt gehenden Wesen“, erntet Brodowy den ersten intensiven Lacher.

 Gezielt deckt der Kabarettist die Denkfehler der Menschheit auf, erzählt von irrationalen Ängsten: „Wir haben Angst vor der Schweinegrippe, aber nicht vor den Antibiotika in der Schweinezucht.“ Weiter bewegt Brodowys Gemüt die Handyabhängigkeit, lässt sich auf den Hocker sinken und wünscht sich und allen singend am Klavier einen „Neustart, Life reloaded“. Das hat Niveau, gibt zum Schmunzeln und Weiterdenken mit auf den Weg, ohne dabei zur Verdeutlichung in die unterste Schublade greifen zu müssen. Brodowy produziert eben Lacher, aber keine Brüller.

 Vielmehr serviert er Spitzen und holt gerne mal weit aus. Wie etwa bei der Himmelreise, bis die Pointe am Ende wieder Sinn des Lebens und Gesellschaft kritisch hinterfragt. Nach Brodowy ist das komplette Sein der Menschheit ohnehin ein „galaktisches Missverständnis“. Keine Generation ohne Kriege. Brodowy ist ein Spezialist darin, Dinge mit offensichtlichen Wahrheiten zu untermauern und dann mit Fakten vor Augen zu führen. Wenn man bedenkt, dass er nach eigenen Worten als Kind Kioskbesitzer, Bestatter oder Zirkusdirektor werden wollte... Von hier aus wird der Faden zum sprachlichen Dilemma an der Käsetheke, zum Public Viewing und dem für 80 Cent eingekauften Blues aus dem Billigtonland Bangladesch sachkundig weitergezogen. Als bissig-scharfsinniger Beobachter der gegenwärtigen Missstände hat Matthias Brodowy brandheiße Tipps parat: „Machen Sie mal etwas Beklopptes. Lassen Sie das Handy zu Hause und steigen aufs Fahrrad.“ Gar keine schlechte Idee und gleich mal ausprobieren.

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