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Klasse statt Masse mit baskischem Akzent

SHMF 2017 Klasse statt Masse mit baskischem Akzent

Das Schleswig-Holstein Musik Festival will seinen Komponistenschwerpunkt 2017 dem in den westlichen Pyrenäen geborenen Franzosen Maurice Ravel (1875-1937) widmen. Aber sein gesamtes Schaffen ist eher schmal, lässt sich genau wie Wagners "Ring" auf nur 14 CDs pressen.

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Der Komponist Maurice Ravel

Quelle: Wikipedia

Lübeck. Der ist ohne Frage Schöpfer ebenso populärer (Boléro) wie musikhistorisch bedeutender Werke irgendwo zwischen französischem Impressionismus und oft baskisch angehauchten Expressionismen. Aber sein gesamtes Schaffen ist eher schmal, lässt sich genau wie Wagners Ring auf nur 14 CDs pressen – womit wir schon bei der Empfehlung angelangt wären, sich doch zur Vorbereitung die hervorragend besetzte Gesamtedition bei Decca / Universal zu bestellen. Theoretisch ließen sich also gerade einmal sieben gut zweistündige Konzerte mit Originalwerken von Ravel bestücken. Und dann wäre der Spaß auch schon vorbei ...

 Allein im Lübecker Eröffnungskonzert werden von Thomas Hengelbrock und der (nach wie vor für den Künstlerschwerpunkt unter Verdacht stehenden) Pianistin Hélène Grimaud mit dem genial angejazzten G-Dur-Klavierkonzert, der schillernden Tondichtung Alborada del gracioso und der arkadischen Ballettmusik Daphnis et Chloé gleich drei sinfonische Hauptwerke abgefrühstückt. Dann müsste sich das Festivalorchester noch um La Valse und den Traumfrauen-Boléro kümmern und schon bliebe für hinzugeladene Ensembles nur noch die Shéhérazade und die Rapsodie espagnole, möglicherweise noch Ravels Bearbeitung von Mussorgskys Bildern einer Ausstellung übrig.

 Nun kennen wir ja die zentralen dramaturgischen Drahtzieher in der Lübecker Festival-Zentrale, Christian Kuhnt und Frank Siebert, und ihre reiche Fantasie, was Querverweise (na klar: zu Debussy) und Transformationen (beispielsweise im unbegrenzt belastbaren Crossover) angeht. Im Bereich Klavier- und Kammermusik gibt es ohnehin Zauberhaftes. Christian Kuhnt liebt da erklärtermaßen besonders die Sonatine für Klavier solo. Und wer im Chor mal die raffinierten Drei Lieder für gemischten Chor a-cappella gewagt hat, weiß um die Qualitäten Ravels als Vokalkomponist. Eher weniger wahrscheinlich ist, dass sich das SHMF 2017 auch um die Bühnenwerke wie die leicht verschrobene Oper Die spanische Stunde oder die lyrische Fantasie L’enfant et les sortilèges (mit aufwändigen 21 Partien für Solisten, gemischten Chor, Kinderchor und Orchester) verdient macht.

 Ravels Biografie, flankiert vom Ersten Weltkrieg, überschattet von physischer und psychischer Krankheit, in spannungsvoller Beziehung stehend zu Strawinsky, Schönberg, Satie oder Honegger, bietet immerhin ein weites Feld, um Texte und bildende Kunst mit anklingen zu lassen. Das Land rätselt – und hat doch Grund zur Vorfreude.

www.shmf.de

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Ein Artikel von
Dr. Christian Strehk
Kulturredaktion

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