17 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Unter Freunden

Max Mutzke Unter Freunden

Der Musiker Max Mutzke ist auf Promotion-Tour in Kiel. Er stellt sein neues Album vor – und räumt direkt mit einigen falschen Interpretationen auf.

Voriger Artikel
Charles Bukowskis Ochsentour
Nächster Artikel
Vorgänger und Nachfolger

In Plauderlaune: Musiker Max Mutzke stellte in Kiel sein neues Album vor.

Quelle: Lea Marxen

Kiel. Max Mutzke ist in Plauderlaune. Zwanzig Minuten kommt er zum vereinbarten Gespräch bei Regiocast zu spät, weil er sich bei seinem vorherigen Termin verquatscht hat. Das heißt aber nicht, dass er danach nichts mehr zu erzählen hat. Im Gegenteil.

 Der 34-Jährige ist auf Stippvisite in Kiel. Gerade hat er ein neues Album veröffentlicht, sein siebtes, mit dem schlichten Titel Max. Es sei sein persönlichstes, auf dem er sich endlich gefunden habe, war darüber zu lesen. „Das ist totaler Schwachsinn“, entgegnet der Sänger auf solche Interpretationen. „Dieses Album ist vielleicht das autobiografischste. Aber persönlich waren die anderen auch schon.“ Aber anders als vorher, sei er mit einem anderen Grundsatz an dieses Album gegangen: „Die Qualität der Songs stand sonst für mich im Vordergrund. Wenn ich einen Song wirklich gut fand, habe ich ihn mit auf das Album genommen. Auch wenn ihn jemand anders geschrieben hat.“ Diese Mal sind keine fremden Songs auf dem Album.

 Vier Jahre hat er an Max gearbeitet. Wichtig sei ihm gewesen, dass die Position deutlich wird, für die er steht, sagt er. „Wie etwa in Unsere Nacht mit Eko Fresh. Das ist ein klarer Appell für ein buntes Deutschland.“ Bei aller Begeisterung darüber und um diesen Standpunkt zu unterstreichen, zieht er da schon mal einen Vergleich zu Günter Grass. Bei anderen hätte das vielleicht anmaßend gewirkt, bei Mutzke nicht. Er redet ohne lange nachzudenken, wie unter Freunden.

 Irgendwann ist er bei seiner Kindheit im Schwarzwald. Er erzählt von seinem Vater, der ihn hinten auf dem Motorrad nach Freiburg ins Jazzhaus mitgenommen hat, und von der Alkoholsucht seiner Mutter. Die verarbeitet er auf seinem Album in Hier bin ich Sohn. „Das war eine enorme Überwindung, das zu schreiben“, sagt er. Als der Song fertig war, habe es zu Hause Diskussionen gegeben, ob er ihn veröffentlichen darf. Aber er wollte das selbst entscheiden. „Jetzt finden es alle okay.“

 Elf Jahre ist es inzwischen her, dass er von Stefan Raab für den Eurovision Song Contest gecastet wurde und anschließend in Istanbul den achten Platz belegte. Mittlerweile nervt es Mutzke nicht mehr, darauf angesprochen zu werden. Das gehöre halt zu seiner Vergangenheit, sagt er. „Dieser Weg hat mir genauso viele Türen geöffnet, wie verschlossen. Das weiß ich.“ Er würde ihn aber immer wieder gehen und auch rückblickend nichts ändern. „Für mich war das genau richtig so. Ich würde Musik sonst nur als Hobby nebenbei machen.“

 Dann muss Max Mutzke wieder weiter, zum nächsten Termin. So ist das, wenn man eine neue Platte veröffentlicht hat. Viel Zeit zum Plaudern bleibt da eigentlich nicht. Aber Max Mutzke ist es egal, er nimmt sich die Zeit. Denn auch die nächsten werden merken: Das Warten lohnt sich.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Anne-Kathrin Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten: Kultur 2/3