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Messe für angewandte Kunst Stöbern und Selbermachen

26 Künstler hat das Forum für angewandte Kunst aus 41 Bewerbungen ausgewählt, die ab Freitag bei der Messe für angewandte Kunst im Stadtmuseum Warleberger Hof ausstellen. Die dauert, nachdem man sich zuletzt auf fünf Tage beschränkt hatte, diesmal wieder zehn Tage.

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Leuchtkraft der Farben: Ines Hansen aus Nieblum auf Föhr ist zum ersten Mal dabei.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Und sie zeigt auch in der 18. Ausgabe das ganze Spektrum von Schmuck bis Keramik, von Papier- bis Textil- und Holzarbeiten. Dazu setzen die farbkräftig ausgemalten Ausstellungsräume des Stadtmuseums einen edlen Rahmen, der Lust macht zum Stöbern.

Der Käpt’n der „MS Ute“ und sein Matrose sind schon mal da. Zwei der kunterbunten Marionetten, die Puppenbauer Peter Beyer in Kiel fertigt. Mit langen Nasen und eigenwilligen Kopf- und Körperformen, die sich aus dem Material ergeben. Das klaubt sich Beyer aus der Recycling-Tonne: Eierpappe, Dosen, Tüten, Joghurt-Becher. Bei einer der Puppen erkennt man die dreieckige Verpackung eines Schweizer Schokoladenriegels, einer anderen zaubert die Flasche eines Sprühreinigers ein bizarres Gewächs auf den Kopf. „Ich mag solche Typen jenseits vom Mainstream“, sagt der Puppenbauer, der für ein Video der Band Revolverheld ebenso Puppen geliefert hat, wie für Aladin, das Weihnachtsmärchen am Opernhaus.

 Papierfetischisten kommen bei Sigrid Vollmer auf ihre Kosten. Schmuckliebhaber können gleich unter neun Künstlern, und damit der größten Gruppe, wählen. Die Hamburgerin Claudia Christl bietet kostbar glänzende Silberwaren an, die Kielerin Maike Kröger verspielten Schmuck. Die Keramikerin Brigitte Storck aus Stubbendorf hat fragile Porzellanschalen mitgebracht, denen ungewöhnliche Farbverwirbelungen und die glänzend geschliffene Oberfläche ihren besonderen Charakter geben. Naturgemäß sind sie alle Einzelstücke. Trutzig und grob dagegen die aus der Statik geratenen Burgen, die Karina Klamp aus Sepel ausstellt.

 „Schlaue“ Möbel mit überraschenden Innenleben fertigt Ragna Gutschow. „Ich liebe Schubkästen“, sagt die Hamburgerin, und das sieht man dem kostbaren Uhrenschrank aus Birnenholz ebenso an wie ihrem ausgeklügelten Schuhputz-Koffer oder dem „mitwachsenden“ Kinderschreibtisch: In allen verbindet sich das Kunstvolle beispielhaft mit dem Nützlichen.

 Das passt zum Credo der Veranstalter, die in der Messe auch die Nähe von freier und angewandter Kunst zeigen wollen. Dazu passt, dass die Gäste in diesem Jahr von der Muthesius Kunsthochschule kommen, Studenten aus der Grafikklasse von Piotr Nathan, die neben eigenen Werken den Besuchern auch anbieten, in der Siebdruckwerkstatt selbst kreativ zu werden.

 Neben den gestandenen Künstlern hat die Messe in diesem Jahr gleich elf Neuzugänge zu verzeichnen. „Ungewöhnlich viele“, freut sich Ute Braham, die Vorsitzende des Forums für angewandte Kunst. Zu den Neuen gehört die Weberin Ines Hansen aus Nieblum auf Föhr, die das klassische Plaid mit leuchtenden Farben aufpeppt, ebenso wie die Hamburgerin Karin Irmer mit ihren Hut-Kreationen und der Holzbauer Richard Schillings aus Tensfeld, dessen Website Behältnisse mit interessantem Objektcharakter erwarten lässt.

 „Die Messe ist in Bewegung geraten“, sagt Museumsdirektorin Doris Tillmann, und Ute Braham kann das mit einer ganzen Reihe von Begleitveranstaltungen belegen. Vom Puppenbau-Workshop über das temporäre Café bis zur Taschenlampenaktion im Gewölbekeller reicht das Programm. Und zum Abschluss wird auch diesmal der vor vier Jahren von einer anonymen Sponsorin initiierte Messepreis (1000 Euro) verliehen. Finanziert aus Mitteln des Forums, so Braham, ein Sponsor habe sich diesmal leider nicht gefunden.

 18. Kieler Messe für angewandte Kunst, 3. bis 11. Oktober, Warleberger Hof, Dänische Straße. Eröffnung Freitag, 19 Uhr, mit Christian Habicht (Klavier). Geöffnet tgl. 10 bis 18 Uhr. So, 4. Oktober, 11 + 15 Uhr, Workshop mit dem Puppenbauer Peter Beyer. Internet: www.fak-sh.de

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