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Mit Leidenschaft und Lakonie

Michy Reincke im ausverkauftem Metro-Kino Kiel Mit Leidenschaft und Lakonie

Na, klar, fuhr das Taxi nach Paris an diesem Abend noch ab. Der „Gassenhauer“ (O-Ton Michy Reincke) wurde zur Zugabe nach drei prall gefüllten Stunden im ausverkauften Metro-Kino liebevoll zelebriert.

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„Gib alles oder vergiss es“: Michy Reincke im Metro Kino.

Quelle: bos: Björn Schaller

Kiel. Und das mit dem Publikum als textsicherem Background-Chor. Es ist eben einer der „Greatest Hits“ des Michy Reincke, den viele noch immer mit seiner Zeit als Frontmann der Deutschpop-Band Felix de Lux verbinden.

 Doch seit die Truppe sich 1989 trennte, hat der heute 56-jährige Hamburger elf Solo-Alben herausgebracht. Zuletzt vor einem Jahr eines mit dem schönen Titel Hatte ich dich nicht gebeten im Auto zu warten. Womit man gleich mal bei den besonderen Texter-Qualitäten des Michy Reincke angekommen ist. Und die sind erheblich. Man bekommt sie nicht nur in den Songs, sondern auch drumherum serviert. Weshalb er das neue Programm treffsicher Storyteller genannt hat. „Normalerweise erzähle ich ja nicht so viel“, spottet Reincke selbstironisch. Das Publikum lacht wissend und nimmt die gesungenen und gesprochenen Geschichten mit dem größtem Vergnügen auf. Wenn er etwa, stimmlich fast schon dylanesk, im Trennungs-Song Mein schwarzes Herz, bekennt: „Ich habe meine Fehler / ich gewöhne mich selbst nicht dran“. Dann klingt das berührend und klug. Oder wenn er zum Boogie-Piano seines Mitmusikers Martin Meyer die rock’n’rollende Parole für mehr Leidenschaft, bei dem, was man tut, ausruft: „Gib alles oder vergiss es“.

 Das scheint so etwas wie der rote Faden im Werk des Michy Reincke zu sein: Authentisch zu bleiben, sich auf das zu konzentrieren, was wichtig ist. Mutmacher-Parolen sind diese Stücke oft, musikalisch zwischen Pop und Singer-Songwriting verortet. Die lakonischen Geschichten, die er zwischen den Nummern erzählt, strotzen oft vor absurdem Humor. Wie die Story vom Anfang seiner Solokarriere, als er sich vom Platten-Label gedrängt in einem Technikmarkt vors Publikum stellte, während die Playback-Musik dazu über den krächzenden Hauslautsprecher zugespielt wurde: „Das macht demütig“, grinst er, „heute bin ich froh, im Metro zu spielen, mit 400 Zuschauern, die nicht in ihren Einkaufswagen vorbeischieben!“

 Hochkomisch ist schließlich auch die Episode über den Taxifahrer, der ihn am Hamburger Flughafen einsammelte und dann während der Fahrt auf der Rückbank einfach vergaß und nach Hause fuhr. Andere würden sich über so etwas vielleicht ärgern: Michy Reincke lacht und macht eine Geschichte daraus.

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