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Rückschau im Herbst seiner Karriere

Midge Ure Rückschau im Herbst seiner Karriere

Midge Ure ist lebende Musikgeschichte. Unter dem Motto „Something From Everything“ tourt der 63-Jährige mit dem Duo India Electric Company nun auch durch den Norden, um akustisch arrangierte Songs aus all seinen Schaffensperioden zu präsentieren.

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Midge Ure (Mitte) hat seine Hits für die Konzerte mit dem Duo India Electric Company neu akustisch arrangiert.

Quelle: hfr

Kiel. Der Schotte startete seine Karriere in den 70ern mit der Band Slik, gab ein kurzes Gastspiel bei der Band Rich Kids, produzierte die Band Visage und schrieb den Text für den Welt-Hit Fade To Grey , sang die Ultravox-Hits Vienna , Hymn und Dancing With Tears In My Eyes , feierte solo Erfolge mit If I Was und später Breathe , gründete nebenbei auch noch 1984 mit Bob Geldof dasberühmte Projekt Band Aid und schrieb mit ihm den Welt-Hit Do They Know It’s Christmas?. Unter dem Motto „Something From Everything“ tourt der 63-Jährige mit dem Duo India Electric Company auch durch den Norden, um akustisch arrangierte Songs aus all seinen Schaffensperioden zu präsentieren.

Nach Ihrem Karrierestart bei der Band Slik trafen Sie 1977 bei Rich Kids auf den Ex-Sex-Pistols-Bassisten Glen Matlock. Doch Sie haben die Band schon bald wieder verlassen ...

Der Grund war, dass ich einen Synthesizer gekauft hatte. Zu der Zeit habe ich viel Musik aus Deutschland gehört – Kraftwerk, La Düsseldorf. Ich habe den Synthesizer bei Rich Kids eingeführt, aber die Hälfte der Band hasste es. Die Hälfte, die es mochte, formte dann Visage.

Welche Rich-Kids-Songs werden Sie spielen?

Nur Marching Men.

Der von Ihnen stammt. Wie auch der Text zum größten Visage-Hit „Fade To Grey“. Wie sind Sie auf diese kurze Passage auf Französisch gekommen, gesprochen von der belgischen Sängerin Brigitte Arens?

Rich-Kids-Drummer Rusty Egan und ich haben das Visage-Konzept entworfen. Brigitte war damals Rustys Freundin und hing im Studio rum. Als ich mit dem Texten anfing, fiel mir ihr sexy belgisch-französischer Akzent auf. Also bat ich Sie, den Text zu übersetzen und dann zu sprechen. Das verstärkte die Atmosphäre des Songs und machte ihn perfekt.

Fade To Grey wird ja sicher auf der Setlist sein ...

Absolut! Und wohl auch noch The Damned Don’t Cry vom zweiten Visage-Album The Anvil.

Waren Ultravox, wo Sie John Foxx ersetzten, Ihr Erweckungserlebnis als Sänger?

Es war eine große Sache für mich, bei Ultravox einzusteigen. Obwohl bei denen gerade alles schief zu gehen schien: Ihr Plattenlabel hatte sie fallengelassen, John und Gitarrist Stevie Shears hatten die Band verlassen. Bei Ultravox habe ich enorm viel über Musik und Arrangements gelernt, denn die übrigen drei Mitglieder waren sehr experimentell in dem, was sie taten.

Welche Ultravox-Songs spielen Sie? „Vienna“ vermutlich?

Ich würde erschossen werden, wenn ich Vienna nicht spielen würde! (lacht)

Mit „The Gift“, waren Sie dann auch solo sehr erfolgreich.

Es war gar nicht mein Plan, ein Soloalbum zu machen. Wir wollten mal ein halbes Jahr Pause voneinander zu machen. Ich ging geradewegs in mein neues Home-Studio und hatte bald ein Album zusammen, und das war The Gift. Ich gab es dem Plattenlabel, die waren ziemlich begeistert und veröffentlichten es.

Ihre Alben „Answers To Nothing“ und „Pure“ schafften es danach nicht in die Charts. Ein Karriereabschwung?

Kommerziell vielleicht schon, aber musikalisch war es ein Aufschwung. Nach Ultravox wollte ich Musik machen, die viel erwachsener klingt.

Dann kam „Breathe“, vor 20 Jahren war das. Ein Überraschungserfolg?

Das war es. Denn da war das Breathe-Album ja schon zwei Jahre auf dem Markt. Der Song wurde nur so populär durch eine Swatch-TV-Werbung, was gar nicht ich organisiert hatte.

Warum hat es danach 18 Jahre gedauert, bis Sie Ihr jüngstes Album „Fragile“ aufgenommen haben?

Ich war nach dem unerwarteten Erfolg von Breathe ziemlich deprimiert und dachte, dass ja wohl keiner mehr diese Art von Musik hören will, wenn zwei Jahre vergehen müssen. Ich verlor meinen Antrieb, fing ein paar Songs an, bekam sie nicht fertig. Irgendwann hab ich mich dann doch aufgerafft, das ganze Album im Alleingang gemacht und war sehr stolz, als es fertig war.

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