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Ausdrucksstark und aktuell

Midge Ure im Schloss Kiel Ausdrucksstark und aktuell

“If I Was”, „Fade To Grey“, „Vienna“, aber auch „Do They Know It`s Christmas?” atmen den Spirit von Midge Ure. Jetzt heißt es „Breathe Again!“ und ein ordentlich besuchtes Kieler Schloss kam in den Akustik-Genuss des kompletten Albums.

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Mit Spaß und Gehalt: Midge Ure beginnt im Schloss Kiel einen wundervollen Abend.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Das international erfolgreichste Album des Ex-Sängers von Ultravox war „Breathe“ von 1996. Auch davon arrangierte der schottische Musiker und Komponist einige Topphits neu. Kongenial begleitet wird er dabei von dem Duo India Electric Co., das aus den Multiinstrumentalisten Joseph O`Keefe und Cole Stacey besteht. Die beiden bestreiten die erste halbe Stunde des Konzerts allein und lassen jenseits ausgelatschter Folk- und Rootspfade gar nicht erst Langeweile aufkommen. Sowohl Stacey an Akkordeon, Violine und Gitarre sowie O`Keefe an Gitarre, Mandoline und Gesang brennen bisweilen ein echtes Melodienfeuerwerk ab und empfehlen sich unbedingt als Begleitung für Midge Ure, der nach der Pause gemessenen Schrittes den jungen Wilden auf die Bühne folgt.

Ausdrucksstarke Stimme, aktuelle Zeilen

Mit „Dear God“ von seinem 1988er Soloalbum „Answers To Nothing“ beginnt Ure diesen wundervollen Abend. Schnell ist klar, dass der Mann bestens bei Stimme ist, kraftvoll und ausdrucksstark intoniert er Zeilen wie „Give me – hope for the children, give me – one worldwide religion, give me – peace in a restless world“, die, so abgedroschen es klingen mag, leider immer noch aktuell sind. Mit „Become“ zitiert er aus seinem Album „Fragile“, das im letzten Jahr nach 12 Jahren Pause erschienen ist. Es habe lange gedauert, gesteht er, weil er sehr mit dem Musikbusiness hadere. Es ginge nur noch darum, Pop-Idole und Karaoke-Sänger zu finden, statt nach einem neuen John Lennon zu suchen. Dass Midge Ure selbst ein großartiger Songwriter und Interpret ist, wird spätestens beim Genuss des entschlackten und von schwerer Violine getragenen „Fade To Grey“ seiner New-Wave-Band Visage sehr deutlich.

Tränenschwer, wogend, aber auch erdig

Einem Schweizer Uhrenhersteller hat es Midge Ure zu verdanken, dass sein schottisch inspiriertes Album „Breathe“ erst zwei Jahre nach seinem Erscheinen so richtig durch die Decke ging. Der nutzte nämlich den Titelsong für eine Werbekampagne und ließ den erfolgsverwöhnten Midge durchatmen. Die Songs des Albums werden mithilfe von O´Keefes Mandoline und den tränenschweren Violinentönen Staceys zum Non-Stopp-Hörgenuss. Das wogende „Fields OF Fire“, das von sehnsüchtiger Slide-Gitarre geführte „Free“, das erdige „Lay My Body Down“ oder das pathetische „Trail Of Tears“ sind die herausragendsten Songs aus einer Fülle famoser Akustik-Balladen, die Midge Ure mit kraftvollen Gitarrenakkorden und reifer, auch in den hohen Lagen sicheren Stimme veredelt.

Standing Ovations für einen großen Musiker

Hits pflasterten Midge Ures Karriere in den Achtzigerjahren, so sind „Vienna“ von seiner Band Ultravox und sein Soloerfolgsstück „If I Was“ fester Bestandteil des Programms. Die Zugaben des mit viel Applaus honorierten Konzerts sind jedoch „Fragile“, Titelsong des neuen Solowerks und „All Fall Down“, ein melancholischer Anti-Kriegs-Song von Ultravox. Standing Ovations für den kleinen Mann und großen Musiker.

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