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Elbphilharmonie: Erst die Verpackung, dann der Inhalt

Nur mit Losglück ins Eröffnungskonzert Elbphilharmonie: Erst die Verpackung, dann der Inhalt

Knapp acht Monate, 242 Tage, ist es noch hin, bis Hamburgs Elbphilharmonie am 11. und 12. Januar 2017 endlich eröffnet wird – nach zehn Bahren Bauzeit und einer 866 Millionen Euro schweren Kostenexplosion. Wie sie eröffnet wird, ist bis ins letzte Detail noch nicht geklärt.

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Hohe Erwartungen: Die Elbphilharmonie Hamburg startet im Januar mit dem Konzertbetrieb.

Quelle: Thies Raetzke

Kiel. Klar ist, dass das NDR Elbphilharmonie Orchester spielt – wie sollt’s auch anders sein, wenn sich das NDR-Sinfonieorchester extra nach seiner neuen Residenz umbenennt. Chefdirigent Thomas Hengelbrock steht am Pult. Und mittlerweile ist auch geklärt, dass eine Auftragskomposition von Wolfgang Rihm („Triptychon und Spruch in memoriam Hans Henny Jahnn“) aufgeführt wird. Solistennamen wie Anja Harteros, Jonas Kaufmann und Bryn Terfel versprechen Wohlklang, wie es übrigens auch Akustiker Yasuhisa Toyota verspricht.

 Und klar ist sowieso, dass auf dem Kaispeicher A unter dem kühn geschwungenen Glasdach eigentlich alle dabei sein wollen.

 Unklar soll bis zum Schluss bleiben, was außer der Rihmschen Auftragskomposition aufgeführt wird. Und noch ist offen, wer so alles an „normalen“ Zuhörern im Publikum sitzt, neben den Ehrengästen, die drei Viertel der Kontingente füllen werden. Zumindest bis zum 8. Juli. Denn bis dahin werden zweimal 450 Freikarten für die beiden Eröffnungskonzerte verlost (und vorab am 10. Juni schon mal 100 davon). Nach dem olympischen Motto „Dabeisein ist alles“ wählt eine konzertante Wundertüte, wer über www.elbphilharmonie.de oder auch auf dem Postweg aufs Ticket-Losglück setzt.

 Es gibt keine Alternative. Da sind offene Fragen kein Hinderungsgrund: Nachdem der Server am Montag vom ersten Andrang zunächst außer Gefecht gesetzt war, hatten sich am Abend bereits 28000 Teilnehmer registriert. Dienstagmittag waren es bereits 45000. Für insgesamt 900 Karten. Und weil sich mittlerweile die Aufregung etwas gelegt und die Erkenntnis durchgesetzt haben dürfte, dass noch bis zum 7. Juli, 23.59 Uhr, Zeit ist, dürften sich die Gewinnchancen weiter verschlechtern und die Zahl sich ins Sechsstellige steigern. Doch der sportliche Ehrgeiz ist entfacht, auch wenn eine pralle erste Konzertsaison mit großen Namen angekündigt ist, wenn immerhin 2100 Zuhörer in den großen Saal passen und angesichts von rund 450000 (Kauf-) Karten für die ersten sechs Monate die Chancen gut stehen, die neue Hamburger Dimension innerhalb der ersten Wochen konzertant zu erleben.

 Denn zunächst kommt es auf die edle Hülle à la Jacques Herzog & Pierre de Meuron an. Und die macht neugierig. Wenn dann auch noch der Inhalt stimmt, Lieben-Seutters Programm wie Toyotas Akustik, dann dürfte das Eröffnungsspektakel lange nachwirken. Schließlich geht es nicht nur den Zuhörern so. Auch die Künstler sind gespannt auf die neue Elbphilharmonie. Der Blick in das stattliche Druckwerk zur Saison 2016/17 erweckt den Eindruck, sie stehen Schlange, um die Bühnen-Erfahrung möglichst früh zu machen.

Kieler können nur ahnen, was es heißt, einen neuen Konzertsaal zu erobern. Um so mehr werden sie zur aufstrebenden hanseatischen Kulturmetropole schielen. Die Herausforderung an der Förde wird sein, den Blick immer wieder auf das Schloss zu lenken. Dafür gäbe es noch einiges zu tun – nicht nur mit großen Namen.

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Ein Artikel von
Konrad Bockemühl
Ressortleiter Kulturredaktion

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