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Gottorf erkundet "Luthers Norden“

Gottorfer Ausstellung Gottorf erkundet "Luthers Norden“

„Wir singen kein Loblied auf Luther“, sagt Kirsten Baumann über das letzte große Ausstellungsprojekt des Jahres auf Schloss Gottorf. Gemeinsam mit dem Pommerschen Landesmuseum setzt man sich mit "Luthers Norden" auf die Spur der Reformation zwischen Schleswig-Holstein, Dänemark und Pommern.

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Seitenweise Kulturgeschichte: Kuratorin Uta Kuhl blättert in einem bebilderten Buch für die Besucher der Ausstellung "Luthers Norden".

Schleswig Gottorf. Kein Loblied auf Luther, das heißt vor diesem Hintergrund, neben den Wegen, den Persönlichkeiten, Schlüsselfiguren und Stationen des neuen Glaubens auch die Verlierer in den Blick zu rücken.

Bewusst verschwommen wie im Ungefähren bleibt das Bildnis Luthers, mit dem das Gottorfer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte für die Schau wirbt. Ein Wink, dass wir Nordlichter unseren Luther so gut kennen, dass uns auch eine Ahnung seines Konterfeis reicht? Wohl eher der Hinweis darauf, dass kulturhistorische Präsentationen als Annäherungen zu verstehen sind. Anschauungsmaterial liefern Exponate beider beteiligter Museen, von Gemäldeleihgaben, Skulpturen, Alltagsgegenständen bis hin zu Druckwerken. Mit Lernstationen und so amüsanten wie informativen Stop-Motion-Filmen und Hörstationen versucht die Ausstellung in der Galerie des 19. Jahrhunderts des Schlosses die Material- und Datenfülle in noch konsumable Bahnen zu lenken. Immerhin hält Luthers Norden seinen Heimvorteil: 54 Prozent der Schleswig-Holsteiner seien evangelisch, sagt Baumann, und bleibt damit Spitzenreiter in Deutschland.

Dass die Schau ihre Besucher finden wird, dafür hat Jorge Scholz, der in Gottorf für Bildung Vermittlung zuständig ist, schon jetzt gute Signale. Zahlreiche Anmeldungen liegen bereits vor und auch für Konfirmanden bleiben hier dank kooperierender Nordkirche und fachlicher Beratung eines wissenschaftlichen Beirats wohl kaum Fragen offen.

Mit unterschiedlichen thematischen Kapiteln führt die Schau den interessierten Besucher durch die Umbrüche jener Zeit. Eindrucksvoll etwa die Wandkarte der aufgelösten Klöster zwischen dem dänischen Ribe im Norden und dem pommerschen Stolp im Osten. Fast ein wenig wehmütig legt sich als Ausklang die Dämmerung auf Caspar David Friedrichs wunderbares romantisches Gemälde Ruine Eldena im Riesengebirge (um 1830-34), das als Leihgabe aus Greifswald gekommen ist. Obwohl es in Schleswig-Holstein keine Bilderstürme gegeben habe, sei doch viel Kulturgut vernichtet worden. „Dennoch“, sagt Uta Kuhl, „seine Heiligen hat man hier in Schleswig-Holstein nicht ganz so schnell über Bord geworfen.“

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