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Mit Michael Ende auf fantastischer Reise

Werftpark Mit Michael Ende auf fantastischer Reise

„Lenchen“, sagt Johanna Kröner, „das ist eine, die ich vielleicht mal war. Oder gern gewesen wäre.“ Was die Heldin in Michael Endes Erzählung Lenchens Geheimnis umtreibt, erinnert die Werftpark-Schauspielerin nur zu gut: „Als Einzelkind gegen die Eltern – da fühlt man sich manchmal ganz schön allein."

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Michael-Ende-Fans unter sich: Schauspielerin Johanna Kroener und Regisseur Matisek Brockhues.

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. Lena, deren Geschichte Johanna Kröner mit Regisseur Matisek Brockhues im Theater im Werftpark auf die Bühne bringt, engagiert deshalb zur Unterstützung eine Fee – ob gut oder böse, ist ihr schnurzpiepegal. Franziska Fragezeichen lässt Lenas Eltern dann erstmal per Zaubermittel schrumpfen – mit jedem Widerspruch, den Mama und Papa der aufmüpfigen Tochter entgegensetzen, ein bisschen mehr. Eine Super-Aktion, die allerdings auch Nachteile offenbart, etwa, als Lenchen die auf Mäusegröße verkleinerten Eltern vor der Katze retten muss. Irgendwo zwischen Märchenmagie und Kinderzimmer-Alltag changiert die Geschichte, die der Autor von Jim Knopf, Momo und Die unendliche Geschichte 1991 erdacht hat. „Eine fantastische Reise“ nennt Matisek Brockhues die Erzählung mit den zahlreichen Ebenen. „Das war schon ziemlich figelinsch, die alle sichtbar zu machen“, sagt der Regisseur, der an Michael Ende die präzise und gleichzeitig fantasievolle Sprache schätzt. „Die unendliche Geschichte habe ich verschlungen“, outet er sich als Ende-Fan. „Ich mag diese fantastischen Reisen und Welten, die Ende entworfen hat. Und Fantasy habe ich als Jugendlicher überhaupt geliebt – das war damals mein Fluchtpunkt.“

 Für die Inszenierung hat sich Brockhues noch einmal in das Werk des 1995 verstorbenen Autors vertieft, mit Johanna Kröner auch die Augsburger Puppenkiste mit Jim Knopf wiedergesehen. „Eine kleine prägnante Passage daraus haben wir auch in die Inszenierung eingebaut ...“, sagt der Regisseur. Und Kröner ergänzt: „Die passt gut zu dem Erbsenekelmus, das Lenchen auf ihrem Teller hat …“

 Ein überdimensionierter Stuhl, an dem die Schauspielerin zum Kind schrumpft, Teller und Besteck – die Inszenierung dieses Wunschstücks von Theaterleiter Norbert Aust arbeitet mit minimalen Mitteln. „Johanna muss alles über die Sprache lösen“, sagt Matisek Brockhues. Fingertheater und Pantomime helfen außerdem, Endes Welt zu beleben. Und die Musik. „Die ist wichtig“, so der Regisseur, der zunächst eine Oboe oder Klarinette im Ohr hatte: „So verspielt wie Lenchen, aber manchmal eben auch etwas quäkig.“ Dann hat er sich doch für Orchestrales von Mozart bis Verdi entschieden: „Zum einen wollte ich auch Passagen ohne Sprache, die eher choreografiert wirken. Und auf diese Weise lassen sich Lenchens Trotz und Wut so richtig schön emotional verstärken.“

 Für Johanna Kröner, die seit der Spielzeit 2013/14 im Werftpark-Ensemble spielt, ist das Stück eine Herausforderung: „So ein Solo ist schon anders“, sagt die 27-Jährige, und da klingt einiger Respekt mit. Und hier muss sie ständig zwischen Figuren und Erzählerinnenrolle wechseln. „Anfangs habe ich mich auf der Bühne etwas einsam gefühlt – weil man alles mit sich selbst ausmachen muss.“ Die Gesellschaft ihrer aufmüpfig fantasievollen Heldin macht das wett: „Unheimlich klug, frech und sehr mutig“, findet Johanna Kröner sie: „Die reizt ihre Grenzen aus, bis es nicht mehr geht.“

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