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Der Teufel als Weltenretter

Neues Stück von Marc Schnittger Der Teufel als Weltenretter

Noch stehen sie auf der Studio-Bühne aufgereiht. Die überlebensgroßen Puppen des Figurentheater-Spielers Marc Schnittger. „Die Groteske ist die Domäne des Puppenspielers, Puppen sind Archetypen“, sagt Schnittger. Das gilt auch wieder für sein neuestes Werk "Planet Eden", das am Freitag, 28. Oktober, im Schauspielhaus Kiel Premiere hat.

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Teufel (li.), Puppenspieler und Wissenschaftler als Akteure in Marc Schnittgers neuer Produktion.

Quelle: Foto: Björn Schaller

Kiel.  Behände schlüpft Schnittger mit je einem Arm in den Rückenausschnitt zweier seiner Großfiguren. Dann stemmt er sie auf Augenhöhe, und schon geht die Vorstellung los. „Warum nicht gleich eine schöne neue Welt erschaffen?“, umschmeichelt der Teufel den Wissenschaftler. Wenn sich die Puppe dem Betrachter zuwendet, fühlt der sich gleich auf das Unangenehmste beobachtet und fixiert von der Figur. Mit der Produktion Planet Eden schließt sich ein Kreis aus drei Stücken, alle inspiriert durch das Triptychon Der Garten der Lüste des niederländischen Malers Hieronymus Bosch (um 1450-1516). „Seine Bilder sind Teil des kollektiven Gedächtnisses“, so Marc Schnittger, „sie entziehen sich einer einfachen Interpretation, von ihnen geht eine rätselhafte Faszination aus.“ Eine Eins-zu-Eins-Annäherung an das dreiteilige Gemälde, das mit einer Vielzahl verstörender Details den Garten Eden, das Paradies und die Hölle darstellt, kam für den Kieler Theatermacher nicht in Frage: „Wir haben das Bild als Schwungrad unserer eigenen Fantasie genutzt.“ 2009 kam Der Garten der Lüste zur Aufführung, 2012 folgte Die musikalische Hölle. Der zerrissene Mensch zwischen „tierischer Instinkthaftigkeit und Kreativität“ ist nun das Thema im dritten Streich, Planet Eden.

 Die Geschichte erzählt von Gott, der die Nase endgültig voll hat. Die Menschen zerstören die Erde und sich selbst. Nur der Teufel will das nicht hinnehmen. Er wäre ja sonst seinen Job los. Ausgerechnet der Leibhaftige also versucht, die Menschheit zu retten, mit Hilfe eines Wissenschaftlers. „Wir haben uns da schamlos bei der dramaturgischen Matritze des Faust-Themas bedient“, erläutert Marc Schnittger. Allerdings nur, um dann eigene Wege einzuschlagen. Im vergangenen Jahr entstand bereits eine Fassung des neuen Stücks mit Handpuppen, die bisher einmal zu sehen war. Jetzt sind die Großpuppen dran. „Beides hat seine Reize“, meint Regisseur und Techniker Jörg Lippmann, der auch für die Videoprojektionen im Background – animierte Zeichnungen von Marc Schnittger – verantwortlich ist.

 Der Aufwand für die Großfiguren ist indes um einiges höher. Schnittger hat die Klappmaulpuppen – wie immer – selbst gebaut, diesmal aus Leder, Peddigrohr, Glas und Rosshaar. Unterstützt von seinem langjährigen Helfer Arne Bustorff. „Vor allem mussten wir für mich als Puppenspieler eine Rolle finden“, erzählt Marc Schnittger. Denn, anders als in der kleinen Version, ist er jetzt auf der Bühne sichtbar. Man entschied sich für eine zusätzliche Figur, die des Erzengels Gabriel. Die schlüpft in Planet Eden wiederum zur Tarnung in verschiedene Rollen. „Der Witz ist, dass sich mehrere Ebenen übereinanderstapeln“, sagt Marc Schnittger, „ein Engel, der sich verkleidet, dann der Mensch als Puppenspieler auf der Bühne, der die Figur führt, und dann noch der Puppenbauer, der diese ganze Welt erst erschaffen hat. Je nachdem, wie man es betrachtet, kann man die eine oder die andere Ebene sehen.“

www.theater-kiel.de

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