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Mit Tabus haben sie es nicht so

A-cappella-Quartett Maybebop gastiert in Kiel Mit Tabus haben sie es nicht so

„Kiel ist ja so eine A-cappella-Hochburg“, sagt Sebastian Schröder, und damit liegt der Bass von Maybebop sicher richtig. Am Freitag singt das populäre Herren-Vokal-Quartett – das noch „alles mit’m Mund“ macht, wie einst ihre Kollegen Die Prinzen sangen – im Schloss eben dieser A-cappella-Hochburg.

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Quelle: Björn Schaller (Archiv)

Kiel. Ganz sicher Lieder von ihrem neuen Album Das darf man nicht, aber auch ältere Stücke und ihre beliebten spontanen Kreationen auf Zuruf nach dem Vorbild des Impro-Theaters: fünf Begriffe, ein Musikstil.

Treffen denn Maybebop in Kiel auf ein sachkundigeres, offeneres oder auch kritischeres Publikum? „Ist ’ne gute Frage“, sinniert Schröder im Telefoninterview. „Das kriegen wir gar nicht so richtig mit.“ Maybebop seien aber mit dem Kieler Frauenchor Jazzica „sehr eng verbandelt, mit denen haben wir vor vielen Jahren mal einen Workshop gemacht, dadurch kriegen wir mit, was in Kiel so passiert“ – etwa die jährliche A-cappella-Party im Audimax. Sie merkten allerdings schon, dass die Kieler mit A-cappella was anfangen können – anders als in anderen Städten, wie neulich im bayerischen Rosenheim.

 Denn das Unerwartete sei bei Maybebop Programm, sei Absicht. Wie auch das Unrunde. „Wenn man unser Profil geometrisch bezeichnen würde, würde ich behaupten, dass wir ein Kreis sind, der aber auch die eine oder andere Zacke und Kerbe hat“, so beschreibt es Schröder. Bei A-cappella-Konzerten erwarteten die Gäste ja eher einen unterhaltsamen, netten Abend. Maybebop seien zwar beizeiten auch konventionell, wie in der poppigen Liebes-Ballade Ich seh dich vom neuen Album, wollten aber auch „ein bisschen in die Extreme gehen, um die Leute anzuregen“.

 Was durchaus gelingt. Etwa mit dem Deutschlied vom neuen Album, wo Maybebop auf Haydns Melodie zur deutschen Nationalhymne einen eigenen Text singen, der folgende, vielleicht irritierende Zeile enthält: „Würd’ ich Deutschland lautstark loben, dann steckt man mich womöglich in den Knast. Lieber back’ ich kleine Brötchen und lebe still und angepasst“. Faustdicke Ironie? Ja, es sei „ein Lied über das gestörte Selbstverständnis vom Deutschsein“, erklärt Schröder. Davon seien Maybebop aber auch nicht frei und therapierten sich daher bei ihren Auftritten ein wenig selbst: Am Schluss des Stücks im Halbkreis stehend, legten sie sich die Hand aufs Herz. Vorher hätten sie sich schon gefragt: Ist das zuviel, zu national? Da habe es in der Gruppe schon Skrupel gegeben, obwohl es ja eigentlich eine schöne Geste sei. Daher sei das Deutschlied ganz klar auch im Kontext zum Albumtitel Das darf man nicht zu sehen.

 Auf Youtube findet sich ein gut einminütiges Filmchen namens VW, in dem Maybebop rückblickend aus dem Jahr 2020 den Niedergang der deutschen Wirtschaft besingen, der seinerzeit mit dem Abgas-Skandal seinen Anfang genommen habe. „Das ist schon eine zynische Betrachtungsweise“, sagt Schröder. „Natürlich ist das nicht toll, was die da gemacht haben, das will man auch nicht schönreden. Auf der anderen Seite machen das alle in der Automobil-Industrie. VW hat einfach ein bisschen Pech gehabt, dass die da dran sind. Made in Germany wird jetzt in Frage gestellt, das ist ja ein bisschen albern. Deshalb mussten wir da leider was machen.“

 Vergangenen Freitag haben Maybebop ihre zweite CD in diesem Jahr veröffentlicht: ein Weihnachtsalbum, Titel: Für euch. Schon ihr drittes. Das saisonale Geschäft scheint ein nicht unwesentliches ökonomisches Standbein des Quartetts zu sein, dessen Album Weihnacht 2006 in den USA von der Contemporary A Cappella Society (CASA) zur „besten A-cappella-Weihnachts-CD der Welt“ gekürt wurde. Auf der jüngsten mischen die Vier erneut Klassiker wie Mary’s Boy Child oder Es kommt ein Schiff geladen mit eigenen Liedern wie Adventskalender im September oder Happy Meal, laut Schröder „wieder in der Maybebop-Farbe: mit ein paar Spitzen versehen“.

Konzert am Freitag, 6. November, 20 Uhr, Kieler Schloss

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Ein Artikel von
Thomas Bunjes
Kulturredaktion

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