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Drolliges Dream-Team der Blindgänger

Mit dem Finger am Abzug Drolliges Dream-Team der Blindgänger

Es gibt sie immer wieder, diese Geschichten, die mehr sind als sie scheinen. Ein prima Beispiel dafür bot die fasziniert verfolgte Premiere der Kriminal-Komödie  Mit dem Finger am Abzug, die das Lore & Lay Theater am Freitag im RBZ Wirtschaft präsentierte.

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Ungleiches Paar findet in "Mit dem Finger am Abzug" zueinander: Schrifsteller Henri (links, Christian Ramcke) und Gangster Luc (Aljoscha Riese).

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Der Plot an sich ist blitzschnell erzählt. Nach einem gescheiterten Banküberfall versteckt sich der zwar nicht vom Glück, sehr wohl aber von der Polizei verfolgte Ganove Luc im abgelegenen Gartenhaus des kauzigen Schriftstellers Henri. Dem geht's auch nicht gerade blendend. Denn der in einer Schreibblockade feststeckende Autor ist soeben von seiner Frau und – schlimmer noch – von seinem geliebten Hund verlassen worden. So ist er vom Einbruch in sein einsames Refugium aus nachvollziehbaren Gründen wenig erbaut. Auch seine Rolle als Lucs' Geisel behagt im nicht besonders.

Da steht es nun, das drollige Dream-Team der Blindgänger. Scheinbar unüberwindbar getrennt durch Herkunft, Bildung und Lebensweg und doch untrennbar verbunden in einer Extremsituation, formal definiert durch die wackeligen vier Wände des Gartenhauses, in denen es weder Internet noch noch Fernsehen gibt. Die so simple wie amüsante und sicher nicht Klischee-freie Grundidee des Stücks vom französischen Autor Alain Reynoud-Fourton lebt zu einem großen Teil von den überaus unterhaltsamen Nickeligkeiten, mit denen sich Henri und Luc gehörig auf den Nerv gehen. Echte Tiefe gewinnt der Abend aber immer dann, wenn sich die zunächst Lichtjahre voneinander entfernt scheinenden Protagonisten langsam aufeinander zu bewegen.

Regisseurin Martina Riese weiß das und findet in ihrer von einer feinen Dialog-Regie geprägten Inszenierung das rechte Maß zwischen komödiantischen Spielereien und behutsam angeschlagenen Untertönen. Damit verleiht sie dem schrägen Gespann klare, nachvollziehbare Konturen. Und weil es den Schauspielern Christian Ramcke als intellektuelle Nervensäge Henri und Aljoscha Riese als nur scheinbar schwerer Junge mühelos gelingt, eben jene Verwundbarkeit und Unsicherheit aber auch die Wünsche und Träume hinter der plakativen Fassade ihrer Figuren sichtbar zu machen, bleibt der Abend bis zum überraschenden Finale witzig und spannend zugleich.   

Vorstellungen: RBZ am Ravensberg, Westring 444. 24. Oktober;  4. Dezember jeweils 20 Uhr sowie 25. Oktober; 6., 26. Dezember jeweils 18 Uhr.  Kartentel.: (0431) 6969968. Weitere Infos und Karten: www.loreundlay-theater.de

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