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Unterwegs in der Wirklichkeit

Molfsee Unterwegs in der Wirklichkeit

Peter Heinrich Brix nimmt es norddeutsch entspannt. „Unesco-Botschafter ist ja keine Sache, die man alle Tage ins Haus bekommt“, sagt er über die Ernennung zum ersten Botschafter des Niederdeutschen Theaters am Freitag im Freilichtmuseum Molfsee, wo im Anschluss das 24. Niederdeutsche Theatertreffen eröffnete.

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Peter-Heinrich Brix in Molfsee.

Quelle: Uwe Paesler

Molfsee. „Für mich ist das eine Gelegenheit, etwas zurückzugeben, mich zu bedanken. Denn ohne das plattdeutsche Theater wäre ich niemals Schauspieler geworden.“ In einem Einakter von Gorch Fock stand Brix, der Bauer aus Angeln, 1983 zum ersten Mal auf der Niederdeutschen Bühne in Flensburg: „Und das war schon was damals“, sagt er und kommt ins Schwärmen – wenn einer wie Brix überhaupt so etwas tut: schwärmen. Über den Intendanten Curt Timm, von dem er viel über das Theater gelernt hat, über dessen Nachfolger Konrad Hansen, der ihn weiter gefördert hat. Und mit dem Stücke möglich waren wie Harold Pinters Hausmeister oder Heinrich Henkels 1975 mit dem Hauptmann-Preis ausgezeichnete Isenputzer (Eisenwichser): „So habe ich über das Niederdeutsche das Theater kennengelernt. Und wenn das dann Kulturerbe wird, ist das eine gute Möglichkeit, die Aufmerksamkeit darauf zu stoßen.“

 Das Plattdeutsche, das hat für Brix mit Heimat zu tun, mit Identität und Wurzeln: „Darin fühlt man sich zu Hause.“ Und die Sprache gehört für ihn dahin, wo er herkommt. Wenn er zu Besuch ist in Angeln, im Weißen Hirschen in Rundhof, „dann fällt man automatisch ins Plattdeutsche. Da gibt es sie ja noch, die letzten Überlebenden, die auch im Alltag Platt sprechen.“

 Das klingt so trocken pragmatisch, wie Brix es sieht: „Wenn eine Sprache nicht mehr im Alltag stattfindet, dann wird sie museal. Das kann man bedauern oder nicht. Alles hat seine Zeit.“ Aber wenn Niederdeutsches Theater erzählen kann: Guck mal, da gab es diese Zeit, und da kommen wir und diese Sprache her – dann findet er das sehr in Ordnung.

 Theater hat Brix seit 1993 nicht mehr gespielt. Aber der Volksschauspieler, der den Leuten nahekommt, das ist er auch im Fernsehen geblieben, lange eingebunden in die Kultserien Großstadtrevier und Neues aus Büttenwarder oder als Fischer Hein Jüpp in Lars Jessens Fischer fischt Frau. Aufs Theater hätte er schon noch mal Lust, sagt der 60-Jährige. „Aber ich suche noch nach einem Stück, das zu mir passt. Gegenwart, kleines Ensemble.“ Eins über Typen aus dem Alltag, so wie Henkels Eisenwichser: „Ich finde es nämlich einfach hochinteressant, in der wirklichen Welt unterwegs zu sein.“

 24. Niederdeutsches Theatertreffen, bis 20. Juni. Freilichtmuseum Molfsee. Karten: 0431/659660, 0431/91416, www.buehnenbund.com

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Ein Artikel von
Ruth Bender
Kulturredaktion

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